Sonntag, 1. Dezember 2019

Roads

























Regie: Sebastian Schipper

Zwei auf gleichem Weg...

Sebastian Schippers Film "Roads" erinnert sehr stark an "Tschick" und bietet darüberhinaus einen kleinen Zustandsbericht vom heutigen Europa. Vom Zusammentreffen verschiedener Kulturen, von der Flüchtlingskrise und am Rande auch von der Fremdenfeindlichkeit der Menschen. Für die Hauptrollen wurden internationale Jungstars verpflichtet. So spielt Fionn Whitehead den jungen 18jährigen Briten Gyllen, der in Marokko auf den fast gleichaltrigen dunkelhäutigen William trifft. William wird vom französischen Stand Up Comedian Stephane Bak gespielt, der international noch völlig unbekannt ist. Dagegen hat Fionn Whitehead bereits unter der Regie von Christopher Nolan in "Dunkirk" die Hauptrolle des Soldaten Tommy gespielt.
Wie der Name des Films schon sagt, spielt sich alles auf der Straße ab und ein Roadmovie ist immer dann sehr gelungen, wenn man es erreicht mit den Protagonisten mitzufiebern. Die beiden Jungs treffen sich irgendwo in Marokko und befinden sich solo auf einer Reise. William lebt im Kongo und ist auf dem Weg nach Frankreich - dort will er seinen Bruder finden, der als Flüchtling auszog um in der Fremde sein Glück zu finden. Doch noch befindet sich William in Afrika, er muss erst einmal die Grenze nach Spanien überwinden. Gyllen war als Urlauber mit seiner Mom und dem Schwiegervater in Marokko und nach einem Streit hat er einfach das Wohnmobil des Schwiegervaters entwendet und hat vor zu seinem leiblichen Vater Paul (Ben Chaplin) zu fahren, der mit seiner neuen Frau (Marie Burchard) im französischen Archaron lebt. Beide tun sich zusammen, doch wie kommt der Flüchtling und der Ausreißer über die Grenze ? Gyllen engagiert den Althippie Luttger (Moritz Bleibtreu), der sofort zusagt. Während sich William auf der Toilette des Wohnmobils versteckt, kommt der dauernd quasselnde Erwachsene spielend durch die Zollkontrolle. Doch Luttger erweist sich nicht nur als Pausenclown, sondern ist auch ein Betrüger, der die Reise im Bus ohne Gyllen fortsetzt - der Autodieb weiß nicht, dass sich auf der Toilette ein weiterer Passsagier befindet. Dadurch können die beiden Jungs das Mobil aus den Händen des Diebs entreissen, doch die Reise wird dadurch auch nicht langweiliger. Sie endet im Flüchtlingscamp von Calais...



Zwei Kids, die nachts durch halb Europa driften, suchen natürlich auch nach ihrem eigenen Weg. Sie begeben sich auf eine Reise, deren Ziel vielleicht auch am Ende des Films verschwommen bleibt. Doch es bleibt eine vage Hoffnung, man befindet sich weiterhin auf dem unbekannten Lebensweg, hat vielleicht aber einen Freund gefunden. Schipper versteht es auch in "Roads" sehr gut eine sehr schöne Melancholie einfließen zu lassen. Somit ein Film über Freundschaft, aber auch über die aktuelle Flüchtlingskrise, die uns noch lange beschäftigen wird und die es geschafft hat die Menschen in Europa zu extremen Positionen zu verführen. Dabei ist es so einfach, dass Menschen - egal wie verschieden - sich näherkommen können und wie sie sich sogar im Anderen wiedererkennen. Davon handelt dieser feinfühlige Film, der von den beiden authentischen Hauptdarstellerleistungen die ganze Zeit getragen wird. Moritz Bleibtreus markante und übertriebene Performance stört ein bisschen und ist DIE einzige Schwachstelle des Films. Die Indieband "Notwist" lieferte den Soundtrack zu dieser Reise auf der Straße.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

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