Montag, 10. Juli 2023

Holy Spider


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Ali Abbasi

Killer in Maschhad...

"Holy Spider" ist ein Film des iranischen Regisseurs Ali Abbasi, der in Dänemark lebt. "Holy Spider" ist Thriller über einen Serienkiller, der in der heiligen Stadt Maschhad Morde an Prostituierten begeht. Dabei fällt eine Ähnlichkeit zu dem deutschen Thrillerklassiker "Nachts, wenn der Teufel kam" von Robert Siodmak auf. Auch dort wird in einem totalitären Staat (im dritten Reich) ein Serienkiller gesucht, die Obrigkeit möchte diese Angelegenheit aber total klein halten, denn dieses Phänomen darf im Nazireich eigentlich nicht vorkommen. Ali Abbasis Film funktioniert nach einer ähnlichen Struktur, denn in einem Land mit übergroßer Religion wird der Täter durchaus als religiöser Held angesehen.
Maschhad, der Handlungsort des Films, ist die Hauptstadt der iranischen Provinz Razavi-Chorasan und die zweitgrößte Stadt Irans. Sie ist politisches und religiöses Zentrum und wird jährlich von mehr als 20 Millionen Touristen und Pilgern besucht. Die Stadt gilt als eine der sieben heiligen Stätten des schiitischen Islams. Dort befindet sich der bekannte heilige Schrein des achten schiitischen Imams Reza.
Wer einen typischen Serienkillerfilm erwartet, der wird vermutlich eher enttäuscht sein. Denn der Regisseur ist vor allem daran interessiert eine Gesellschaft zu zeigen, die in weiten Teilen einen Prostituierten Mörder unterstützt und seine Tagen gutheißt. Ein Land in dem der Klerus herrscht und das mit seiner erzkonservativen Interpretation des Korans vor allem die Freiheit von Frauen stark beschränkt.
Die Journalistin Arezoo Rahimi (Zar Amir Ebrahmi)  kommt aus Teheran in die heilige Stadt Mashhad im Iran, um über eine Reihe von Morden an örtlichen Straßenprostituierten zu berichten. Die Morde folgen einem bestimmten Muster: Die Frauen (Prostituierte, meistens auch drogenabhängig) werden von einem Mann auf einem Motorrad an einem Kreisverkehr abgeholt, an einen anderen Ort gebracht und mit ihren eigenen Kopftüchern erdrosselt. Anschließend werden sie in örtlichen Mülldeponien entsorgt. Der Serienmörder, Saeed Azimi (Mehdi Bajestani), wird gleich zu Beginn des Films vorgestellt. Der Film beginnt mit dem letzten Abend eines seiner Opfer. Sie ist opiumsüchtig und sucht eine Reihe von Kunden auf, bevor sie mit Azimi zusammenkommt. Sie fahren zu einem heruntergekommenen Apartmentkomplex, aber sie wittert Ärger und versucht zu fliehen, bevor sie seine Wohnung betritt. Azimi erdrosselt sie im Treppenhaus und flieht dann mit ihrer Leiche auf seinem Motorrad.
Rahimi wird als zielstrebig, scharfsinnig bei der Analyse von Beweisen und aufrichtig besorgt über das Schicksal der Mordopfer. Sie kommt allein in der Stadt an und muss sich mit den verschiedenen Beschränkungen auseinandersetzen, die für Frauen in der heiligen Stadt gelten. Sie geht eine investigative Beziehung zu einem männlichen Journalisten, Sharifi (Arash Asthiani), ein, der sie unterstützt, aber ihr Umgang mit der örtlichen Polizei ist meist von Ablehnung und Abwiegelung geprägt. Sharifi stand mit dem Mörder in Kontakt und wurde von Azimi als eine Art Pressesprecher ausgewählt. Sharifis Aufzeichnungen und Erinnerungen geben Rahimi Aufschluss über das Mordmotiv: Azimi ist wankelmütig, mal freundlich, dann wieder explosiv und beschimpft die Prostituierten als korrupt und schmutzig. Er behauptet, die Stadt im Namen von Imam Reza, dem achten schiitischen Imam, zu säubern; man sieht ihn unter Tränen am Schrein des Imams.
Kulturelle Frauenfeindlichkeit durchdringt Rahimis Interaktionen mit Männern während ihrer Ermittlungen. Ein uniformierter Polizist, Rostami (Sinah Parvaneh), scheint zunächst freundlich zu sein, bevor er sich unerwünscht an sie heranmacht und Rahimis Charakter lächerlich macht, als er zurückgewiesen wird. Ein mächtiger lokaler Geistlicher (Nima Akbarpour) deutet ebenfalls an, dass ihr ein schlechter Ruf vorauseilt. Ihre Position als Außenseiterin prägt Rahimis emotional schwierige Interaktionen mit den Familien der Opfer und in einem Fall ein vorbereitendes Gespräch mit einer Prostituierten in der Nacht ihres Mordes.
Azimis Privatleben wird in einigen Details geschildert. Er hat drei Kinder, eine fürsorgliche Frau (Forouzan Jamshidnejad) und ein Netzwerk von Militärkameraden aus dem Iran-Irak-Krieg. Der emotionale Schmerz über seinen Dienst ist offensichtlich, und er fühlt sich als Versager, weil er nicht zum Märtyrer geworden ist. Azimis Hingabe an seine Familie steht im Kontrast zu der Brutalität seiner Morde. Einer der Morde findet in seinem Haus statt und wird beinahe durch die Ankunft seiner Frau unterbrochen. Azimi gelingt es, die Leiche eilig in einem Teppich zu verstecken. Später hat Azimi Sex mit seiner Frau, während er den Fuß seines toten Opfers erspäht. Hannaeis halbwüchsiger Sohn Ali (Mesbah Taleb) vergöttert seinen Vater, auch nach seiner Ergreifung und Verurteilung zum Tode...





"Holy Spider" ist eine Coproduktion der Länder Deutschland, Dänemark, Schweden und Frankreich. Hauptanteil der Produktion kam aus Deutschland. So ist es nicht verwunderlich, dass "Holy Spider" auch beim deutschen Filmpreis mehrfach nominiert wurde und das Filmband in Bronze erhielt. Darüberhinaus war "Holy Spider" Dänemarks Beitrag für den Oscar und kam sogar auf die Shortlist und verpasste nur knapp die offizielle Nominierung der fünf besten Filme. Beim Europäischen Filmpreis 2022 gab es 4 Nominierungen: Bester Film, bestes Drehbuch, beste Darstellerin Zar Amir Ebrahimi und beste Regie. In Cannes wurde Ebrahimi mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen