Regie: Chia Ling Liu
Der Möchtegern-Mönch...
Der 1978 von Chia Ling Liu (auch unter dem Namen Lau Kar Leung
bekannt) gedrehte Kung Fu Film "Die 36 Kammern der Shaolin" dürfte
wahrscheinlich das populärste Werk der Shaw Brothers sein. Somit war es
nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung des Erfolgsstreifen
realisiert wurde. 1980 kam "Die Rückkehr zu den 36 Kammern der Shaolin"
ins Kino. Fünf Jahre später komplettierte "Die Erben der 36 Kammern der
Shaolin" diese Erfolgsserie.
Der zweite Teil unterscheidet sich elementar vom Erstling und
bleibt tatsächlich als einer der absurdesten Drehbuchideen in
Erinnerung: Kung Fu inmitten eines drastischen Arbeitskampfes mit
brutaler Unterdrückung der Arbeiter, die wie Sklaven gehalten werden und
dazu schwingt ein Brechstangen Humor mit.
Wie im ersten Teil spielt auch Gordon Liu die Hauptrolle - doch die
Filmfiguren sind unterschiedlich. Im Erstling wird ein junger Mann
durch viel Fleiß und Demut zu Mönch San Te. Hier in Teil 2 heißt der
junge Mann Chu Jen-Chieh und ist ein Lügner, ein Hochstapler, einer der
noch seinen Platz im Leben sucht und sich als Mönch San Te ausgibt,
dadurch in der Stadt Spenden fürs Kloster sammelt. Die Sache hat
natürlich einen Haken: Obwohl Chu Jen-Chieh wie ein Shaolin Mönch
aussieht, ist er alles andere als kampferprobt, er kann überhaupt kein
Kung Fu.
Die Geschichte beginnt in einer Stofffärberei. Die
Qualität der Farbstoffe hat sich merklich verschlechtert, und der
Fabrikbesitzer Wang (Radha Ravi) und sein untergeordneter Chef, Boss Wa,
beschließen, einige Mandschu-Aufseher einzustellen, um die Arbeit zu
verbessern. Wang
beschließt, den Lohn der Arbeiter zu kürzen, um die Söldner zu
bezahlen, und als die Arbeiter protestieren, werden sie brutal
verprügelt. Während
sie in einem Teehaus sitzen und ihre Probleme besprechen, gesellen sich
zu den Arbeitern Chu Jen-chieh, ein gutherziger Youngster und der
jüngere Bruder des Vorarbeiters, der sich immer mal wieder als Mönch
ausgibt. Er
bietet seine Hilfe an, aber da er eigentlich kein Kung-Fu machen kann,
hecken er und der Assistent des Vorarbeiters, Ah Chao (Hsiao Ho), einen
Plan aus, um den Arbeitgeber dazu zu bringen, das volle Gehalt wieder
einzuführen, wobei Jen-chieh sich als San Te, Oberabt der Shaolin der
36. Kammer ausgibt. Zunächst
funktioniert der Plan, aber Wang erkennt schnell, dass dieser Mann ein
Betrüger ist, und lässt ihn vertreiben und seine Söldner üben Vergeltung
an den Arbeitern. Jen-chieh
hat ein schlechtes Gewissen wegen dem, was passiert ist, und macht sich
auf den Weg zum Shaolin-Tempel, um die wahren Kampfkünste zu erlernen. Seine
ersten Versuche, heimlich einzudringen, werden von den wachsamen
Mönchen und seinem eigenen Stolpern vereitelt, aber schließlich gelingt
es ihm, sich einzuschleichen, nur um dann auf den echten San Te (Lee
King-Chue) zu treffen. Auch
ihm wird klar, dass Jen-chieh nicht der ist, für den er sich ausgibt,
doch er kündigt an, ihm eine Chance geben zu wollen: Jen-chieh soll rund
um den Tempel ein Gerüst errichten und die gesamte Anlage renovieren. Etwas
widerstrebend macht sich Jen-chieh an die Arbeit, wird aber ständig von
den Mönchen abgelenkt, die in der 36. Kammer, die er von seinem hohen
Aussichtspunkt aus überblicken kann, Kampfkünste praktizieren. Schließlich
beginnt er, sich selbst im Kung-Fu zu trainieren, indem er die
Bedingungen seines Einsatzes dazu nutzt, Trainingseinrichtungen zu
improvisieren. Dies führt jedoch dazu, dass er in seiner Arbeit zurückbleibt und fast 3 Jahre braucht, um das Portal fertigzustellen. Sobald Jen-chieh verkündet, dass er fertig ist, möchte San Te, dass er die Struktur abbaut und das Kloster verlässt. Jen-chieh
rebelliert gegen diese Entscheidung und landet in der Kammer. Während
er versucht, dem ihn verfolgenden Abt auszuweichen, gelingt es ihm
versehentlich, alle in der Kammer aufgestellten Gefahren mit
Leichtigkeit zu überwinden. San Te drängt ihn schließlich in die Enge und zwingt ihn zu gehen, mit einem seltsamen Lächeln auf den Lippen. Jen-chieh
kehrt in die Stadt zurück und stellt fest, dass sich die Bedingungen
der Arbeiter verschlechtert haben: Ihr Gehalt wurde um fast die Hälfte
gekürzt und alle, die protestiert haben, wurden entlassen, um ein karges
Dasein zu führen.......
Abseits davon fällt aber vor allem der deutlich komödiantischere
Grundton auf. Die übergroßen Zähne des einen Arbeiters aus der Färberei
zeigen das glasklar, aber auch zahlreiche kleine Slapstick-Szenen und
sonstige Gags tragen zum heiteren Flair bei - der Grundton bleibt heiter
und vergnügt und der Zuschauer sieht wie sich der Schüler abmüht mit
seinem Gerüst, obwohl er doch nichts weiter lernen möchte als die besten
Kung Fu Techniken. Und die lernt er ohne, dass er es bemerkt.
Zwar steht auch hier die Ausbildung zum Shaolin Kämpfer im
Vordergrund, doch die wieder von Gordon Liu verkörperte Titelfigur
unterscheidet sich schon ziemlich stark vom willensstarken Mönch San Te.
In gewisser Weise ist Chao das genaue Gegenteil von San Te, da er sich
Anfangs ziemlich ungeschickt anstellt und immer wieder versucht
Schlupflöcher zu finden um möglichst ohne großen Aufwand an sein Ziel zu
kommen. Das er damit nicht gerade die Tugenden der Shaolin verkörpert
und erst noch auf die richtige Bahn bewegt werden muss ist klar. Und
dies gelingt in diesem absurden Martial Arts Beitrag mit dem legendären
Gerüstbauer-Kung Fu.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.
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