Regie: Karl Marcovics
Wer bin ich ? Wohin gehe ich ?
Das Jugenddrama "Atmen" von Karl Marcovics aus dem Jahr 2011 war
der österreichische Kandidat im Oscarrennen um den besten
fremdsprachigen Film des Jahres, konnte aber nicht in den Kreis der 5
offiziellen Nominierungen aufschließen. Trotzdem ist dem Macher ein
authentischer, aber recht düsterer Jugendfilm gelungen, der den jungen
Verlierer Roman Kogler (Thomas Schubert) porträtiert. Der Junge ist
jetzt 19 Jahre alt und war die letzten 5 Jahre in einem Jugendgefängnis
in Niederösterreich eingesperrt. Im Alter von 14 Jahren hat er im Streit
einen Gleichaltrigen mit brutaler Gewalt getötet. Nun steht seine
Anhörung vor der Tür, es könnte sehr wahrscheinlich auf die baldige
Freilassung herauslaufen. Roman wirkt als hätte er im Knast etwas fürs
Leben gelernt. Aber er braucht einen Job, den er vorweisen kann. So
stößt er auf die Anzeige eines Bestattungsunternehmens in Wien. Dort
bewirbt er sich und tatsächlich gibt man ihm dort eine Chance. Aber der
Job ist nicht leicht und vor allem einer seiner Vorgesetzten Rudolf
Kienast (Georg Friedrich) ist dem jungen Knacki nicht wohlgesonnen. Doch
interessanterweise gibt dieser etwas morbide Job mit den Leichen, die
abgeholt werden, dem jungen Mann eine gewisse Stabilität. So findet er
den Mut Kontakt mit seiner Mutter Margit Kogler (Karin Lischka)
aufzunehmen, die ihn als kleines Kind der Fürsorge gab. Für das kleine
Kind begann ein Lebenslauf mit Heimunterbringung und vor allem dem
Defizit zu niemandem zu gehören. Er braucht Antworten auf die Fragen,
die er hat. Verzweifelt nähert er sich an die fremde Frau an, die seine
Mutter ist. Doch die Kontaktaufnahme ist schwierig, noch schwerer ist
es, den Kontakt überhaupt zu halten. Immerhin verbessert sich die
Beziehung zu Kienast am Arbeitsplatz - gemeinsame Erlebnisse, die
absolviert werden müssen, machen es möglich.
Karl
Markovics Film ist recht spröde und zeigt ein problematisches Leben,
dass gemeistert werden soll und der Macher zeigt die Anstrengung des
jungen Menschen seinen Platz in der Gesellschaft und ein bisschen
"Erdung" zu finden, die er nie hatte. Dabei keimt Hoffnung auf und dies
ist auch die Zielsetzung des Regissseurs, der dann doch zeigt, dass es
trotz schwieriger Ausgangslagen nicht ganz unmöglich ist den Schalter
für eine neue Richtung umzulegen. Der Jungdarsteller Thomas Schubert
redet zwar nicht viel, er trägt aber mit seinem glaubwürdigen,
innovativen Spiel mühelos den ganzen Film. Als Lohn gabs mehrere Preise
an diversen Filmfestivals. Kameramann Martin Gschlacht, der schon in
"Hotel" und "Revanche" tolle Arbeit machte, drückt dem Film optisch
seinen Stempel auf - er schuf sehr geglückte Bilder, die Tristesse und
Melancholie ausgezeichnet miteinander verbinden.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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