Mittwoch, 23. Juli 2014

Atmen

























Regie: Karl Marcovics

Wer bin ich ? Wohin gehe ich ?

Das Jugenddrama "Atmen" von Karl Marcovics aus dem Jahr 2011 war der österreichische Kandidat im Oscarrennen um den besten fremdsprachigen Film des Jahres, konnte aber nicht in den Kreis der 5 offiziellen Nominierungen aufschließen. Trotzdem ist dem Macher ein authentischer, aber recht düsterer Jugendfilm gelungen, der den jungen Verlierer Roman Kogler (Thomas Schubert) porträtiert. Der Junge ist jetzt 19 Jahre alt und war die letzten 5 Jahre in einem Jugendgefängnis in Niederösterreich eingesperrt. Im Alter von 14 Jahren hat er im Streit einen Gleichaltrigen mit brutaler Gewalt getötet. Nun steht seine Anhörung vor der Tür, es könnte sehr wahrscheinlich auf die baldige Freilassung herauslaufen. Roman wirkt als hätte er im Knast etwas fürs Leben gelernt. Aber er braucht einen Job, den er vorweisen kann. So stößt er auf die Anzeige eines Bestattungsunternehmens in Wien. Dort bewirbt er sich und tatsächlich gibt man ihm dort eine Chance. Aber der Job ist nicht leicht und vor allem einer seiner Vorgesetzten Rudolf Kienast (Georg Friedrich) ist dem jungen Knacki nicht wohlgesonnen. Doch interessanterweise gibt dieser etwas morbide Job mit den Leichen, die abgeholt werden, dem jungen Mann eine gewisse Stabilität. So findet er den Mut Kontakt mit seiner Mutter Margit Kogler (Karin Lischka) aufzunehmen, die ihn als kleines Kind der Fürsorge gab. Für das kleine Kind begann ein Lebenslauf mit Heimunterbringung und vor allem dem Defizit zu niemandem zu gehören. Er braucht Antworten auf die Fragen, die er hat. Verzweifelt nähert er sich an die fremde Frau an, die seine Mutter ist. Doch die Kontaktaufnahme ist schwierig, noch schwerer ist es, den Kontakt überhaupt zu halten. Immerhin verbessert sich die Beziehung zu Kienast am Arbeitsplatz - gemeinsame Erlebnisse, die absolviert werden müssen, machen es möglich.



Karl Markovics Film ist recht spröde und zeigt ein problematisches Leben, dass gemeistert werden soll und der Macher zeigt die Anstrengung des jungen Menschen seinen Platz in der Gesellschaft und ein bisschen "Erdung" zu finden, die er nie hatte. Dabei keimt Hoffnung auf und dies ist auch die Zielsetzung des Regissseurs, der dann doch zeigt, dass es trotz schwieriger Ausgangslagen nicht ganz unmöglich ist den Schalter für eine neue Richtung umzulegen. Der Jungdarsteller Thomas Schubert redet zwar nicht viel, er trägt aber mit seinem glaubwürdigen, innovativen Spiel mühelos den ganzen Film. Als Lohn gabs mehrere Preise an diversen Filmfestivals. Kameramann Martin Gschlacht, der schon in "Hotel" und "Revanche" tolle Arbeit machte,  drückt dem Film optisch seinen Stempel auf - er schuf sehr geglückte Bilder, die Tristesse und Melancholie ausgezeichnet miteinander verbinden.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

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