Samstag, 8. Dezember 2012

Flammendes Inferno



Regie: John Guillerman

Der Turm von Babel...

 Schon sehr lange gibt es Katastrophenfilme, die sich mit einem schweren Unglück beschäftigen, spontan fallen mir da gleich zwei ganz alte Filme ein, etwa den 1937 von John Ford realisierten "...dann kam der Orkan" oder aber auch einen deutschen Vertreter, der sich mit einem der schrecklichsten Ereignisse der Seefahrt beschäftigt: "Nacht fiel über Gotenhafen" entstand 1960 unter der Regie von Frank Wisbar und hat die Versenkung des überladenen Flüchtlingsschiffs Wilhelm Gustloff zum Thema. Durch einen sowjetischen Torpedoangriff fanden dort mehr als 9.000 Menschen den Tod fanden.
Wisbars Film mischt allerdings viel Drama und Vorgeschichte bei.
In den 70ern erreichte das Genre mit Kassenschlagern wie "Airport", "Poseidon Inferno", "Erdbeben" und John Guillermins "Flammendes Inferno" seinen Höhepunkt, selbst Spielbergs "Der weiße Hai" wurde vor der Kinoauswertung als Katastrophenfilm umworben, denn die Menschen wollten solche Ereignisse auf der großen Leinwand sehen, seien es nun Fluten, Vulkanausbrüche, Meteoriten, Stürme, Flugzeugabstürze, brennende Hochhäuser, marode Seibahnen oder untergehende Schiffe.
In den 9ß0ern gabs gar eine Renaissance des Genres, die neueren Vertreter sind "Twister", "Speed", "Dantes Peak", "Volcano", Armageddon", "Deep Impact", "Daylight", "Day after Tomorrow" oder "2012".
Nach wie vor gilt aber John Guillermans 1974 entstandener Hochhausbrand "Flammendes Inferno" nach den beiden Büchern "The Tower" von Richard Martin Stern und "The Glass Inferno" von Thomas N. Scortia und Frank M. Robinson als der Monumentalfilm unter den Katastrophenfilmen.
Er gilt auch nicht nur einen imposanten Brand zu löschen, auch die Laufzeit des Films ist mit 165 Minuten enorm lang.
Nicht zuletzt transportiert der Film gar biblische Ausmaße in die Neuzeit, sehr schnell denkt man an den Turmbau zu Babel.
Dieser "Turm" wie er genannt wird, steht in San Francisco und ist mit 138 Stockwerken der größte Wolkenkratzer der Welt.
Am heutigen Tag findet die pompöse Eröffnung im 135. Stockwerk statt, nicht nur der Bürgermeister Robert Ramsey (Jack Collins) und der Senator (Robert Vaughn) gehören zum erlauchten Kreis der geladenen Gäste, auch VIPs aus der Politik, Wirtschaft, der Musik und des Films sind dabei, wenn der Champagner in Strömen fliessen soll.
Doug Roberts (Paul Newman) ist der Architekt dieses Bauwerks unter seiner Anleitung schuf Bauherr James Duncan (William Holden) das bemerkenswerte Gebäude.
Doug ist extra nach einem längeren Aufenthalt im Ausland zur Eröffnung mit dem Hubschrauber angereist, er trifft auch seine Geliebte Susan Franklin (Faye Dunaway) wieder, die er gerne heiraten würde, doch die Karrierefrau steht vor der Entscheidung entweder Mann oder Job und die Stelle als Chefredakteurin scheint verlockend.
Noch vor Beginn der Feier kommt es im technischen Kontrollraum des Gebäudes zu einem Kurzschluss aufgrund mangelhafter Kabelisolierung, doch die Probleme gehen weiter. Schuld an diesem Pfusch könnte Duncans haltloser Schwiegersohn Roger Simmons (Richard Chamberlain) sein, der für die elektrischen Installationen zuständig war und die von Roberts geforderten Standards für die Sicherheitssysteme und den Brandschutz auf das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß reduziert hat, so konnten locker einige Millionen Dollar eingespart werden.
Zeitgleich mit dem ersten Zwischenfall kommt es in einem Lagerraum im 81. Stock ebenfalls zu einem Kurzschluß, der ein Feuer auslöst, leider bleibt dies sogar im Kontrollraum unbemerkt und kann sich stetig ausbreiten.
Als man den Rauch entdeckt, ist die Katastrophe schon im vollen Gange.
Die Feuerwehr wird verständigt und versucht, den Brand einzudämmen. Feuerwehrchef O'Hallorhan (Steve McQueen) richtet im 79. Stock seine Kommmandozentrale ein, während die oberen 10.000 weiter oben noch ausgelassen feiern...



Zusätzliche Prominenz, die dem Feuer ausgesetzt werden, sind Robert Wagner, O.J. Simpson sowie die Altstars Fred Astaire und Jennifer Jones, die den sentimentalen Part des Films abdecken.
Ausserdem sind wie immer Kinder und Tiere (in diesem Fall Jennifer Jones Katze) in Gefahr.
Der fiktive Glass Tower mit 138 Stockwerken und 104 Aufzügen wäre rund 550 Meter hoch und zu dieser Zeit das größte Gebäude der Welt gewesen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films waren die höchsten Gebäude der Welt das 1973 fertiggestellte World Trade Center und der 1974 fertiggestellte Sears Tower.
Insgesamt spielte das Feuerspektakel rund 116 Millionen Dollar ein und war somit einer der kassenträchtigsten Filme des Jahres.
Die Trickaufnahmen können sich sehen lassen, sie vermitteln tatsächlich in ihren besten Momenten eine Art "Mittendrin" zu sein.
1975 gabs sogar 3 Oscars: Für Kamera (Fred J. Koenekamp), Schnitt und den besten Filmsong - wieder mal gesungen von Maureen McGovern, die schon in Poseidon Inferno vom "Morning After" sang.
Besonders cool ist die Rolle des Retters Steve McQueen gestaltet, so trägt er unter seiner Feuerwehrkluft ein schickes weißes Hemd mit Krawatte. Möglicherweise hat er noch eine Verabredung, sobald er die Welt gerettet hat.
Bewertung: 7 von 10 Punkten

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