Sonntag, 9. Dezember 2012
King of the Devils Island
Regie: Marius Holst
Bestrafung als Leitgedanke..
Unweit von Oslo liegt die Insel Bastøy, von 1900 bis 1970 existierte dort eine Besserungsanstalt, dort - so das erklärte Ziel - sollte man schwierige und straffällige Jugendliche zu brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft umeriehen.
Der Norweger Marius Holst erzählt in seinem wuchtigen Drama "King of the Devils Island" (Original: Kongen av Bastøy) das Schicksal einiger dieser schwer erziehbaren Jungen, die Anfang des letzten Jahrhunderts dort ihre Strafe absitzen mussten, bis Besserung des Charakters in Sicht war.
Damit erinnert Holsts Film schon von Beginn an Michael Hanekes "Das weiße Band", der zur etwa gleichen Zeit spielt und auch die damaligen harten Erziehungsmaßnahmen in den Mittelpunkt stellt. Nur ist es in "King of the Devils Island" nicht die Religion, die perverse Erziehungsmethoden unterstützt, hier im nordischen, harten Winter sind es die strengen, unerbittlichen Hände des Direktors Bestyreren (Stellan Skarsgård) und des Heimleiters Bråthen (Kristoffer Joner), die auch mit roher Gewalt agieren, wenn es dem Wohl der Jugendlichen dienen soll.
Die Geschichte des Films beginnt im Spätherbst 1915. Mit dem Boot werden die Jugendlichen Erling (Benjamin Helstad) und Ivar (Magnus Langlete) auf die gefürchtete Insel gebracht.
Die beiden Jungs könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Ivar eher von einer hohen Sensibilität geprägt ist, gibt sich Erling als unangepasster Individualist, der nur einen Gedanken hat: Flucht.
In der Anstalt muss er aber seinen Namen ablegen und wird von allen nur noch C 19 gerufen. Verantwortlich für die Neuen ist der Musterschüler Olav (Trond Nillsen), der mit C1 angesprochen wird und gute Chancen hat nach 6 langen Jahren endlich die Insel verlassen zu dürfen.
Doch so einfach ist es nicht. Denn er haftet auch für die auflehnenden Aktionen von C19. Dann müssen die Jungs noch tatenlos mitansehen, dass der schwächliche Ivar von Heimleiter Brathen sexuell missbraucht wird...
Hier wurde ein sehr kraftvolles Drama realisiert, dass spielend mit den Verwandten von Hollywood mithalten kann. Noch mehr: Trotz einiger unvermeidbarer Klischees (denn sonst wäre die Geschichte nicht so brisant) ist es dem Regisseur gelungen ein sehr stimmiges, feinfühliges Portrait der schwierigen Jugendlichen und ihrer Erzieher, die so kalt und herzlos agieren wie die karge Landschaft und der immergraue Himmel, der die Insel beherrscht und sich auf das Gefühl des Zuschauers legt. Diese Trostlosigkeit wird dadurch noch verstärkt, indem die Bilder mit äusserst sparsamer Farbgebung gestaltet wurden. Die beklemmende Atmosphäre durchzieht den ganzen Film und macht ihn durch diese Form zu einem kleinen Meisterwerk.
Die Rollen der Jugendlichen wurden von Laiendarstellern übernommen, die auch im realen Leben ähnliche Erfahrungen hatten. So zum Beispiel lebte der Darsteller des Olav jahrelang in einem Heim.
Hinter der Kamera stand John Andreas Andersen und so traurig es auch stimmt: Die Geschichte des Films basiert auf den wahren Begebenheiten der Haftanstalt Bastøy in Norwegen des Jahres 1915, als die Jugendlichen durch die harte Disziplin ohne Mitgefühl eine Meuterei anzetteln, die erst mit Polizeigewalt ihr Ende nimmt.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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