Sonntag, 9. Dezember 2012
Biutiful
Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu
Letzte Tage der Existenz...
Ich halte den Mexikaner Alejandro González Iñárritu für einen der wichtigsten Filmemacher der vergangenen Dekade. Bereits sein Erstling "Amores Perros" aus dem Jahr 2000 war ein faszinierender, düsterer Blick auf die Schattenseite des mexikanischen Lebens. Es folgte "21 Gramm", den er in den USA realisierte und der hypnotische Episodenfilm "Babel", vielleicht sogar der beste Film des letzten Filmjahrzehnts.
Mit "Biutuful" kehrte er nun wieder zu seinem Ursprungsthema "Leben am Abgrund" zurück und drehte als Mexikanisch-spanische Coproduktion das in Barcelona spielende´tragische Verliererportrait eines Mannes, der langsam stirbt.
Die Szene am Beginn zeigt diesen Uxbal (Javier Bardem) in einer Schneelandschaft, eine Eule liegt leblos im Schnee. Ein junger Mann (Nasser Saleh) ist ebenfalls dort, die beiden hören ein Geräusch.
Szenenwechsel: Uxbal hält sich in Barcelona immer am Rande der Kriminalität über Wasser. Er ist ein treu sorgender Vater für seine beiden KKinder Ana (Hanaa Bouchaib) und Mateo (Guillermo Estrella). Er lebt von seiner labilen manisch-depressiven Frau Marambra (Maricel Alvarez) getrennt. Die führt ein unstetes Leben, Vergnügungssucht wechselt sich ab mit totaler Niedergeschlagenheit. Sie liebt ihren Mann noch immer, auch Uxbal hat noch Gefühle für die chaotische Frau, doch er weiß, dass es nie mehr gut gehen kann.
Uxbal ist krank und der Arzt eröffnet ihm, dass er noch noch einige Monate zu leben hat, er muss sich aber einer Chemotherapie unterziehen.
Seine Brötchen verdient er sich damit, indem er den illegalen Straßenverkauf gefälschter Markenware durch einen afrikanischen Hehlerring organisiert und die Polizei mit Bestechung bei Laune hält, damit sie immer mal wieder wegschauen.
Ausserdem hat er die Gabe mit Toten Kontakt aufzunehmen, dies hat sich herumgesprochen. So bekommt er immer mal wieder etwas Geld, weil er zu Totenfeiern eingeladen wird und den Hinterbliebenen eine Botschaft aus dem Nenseits kundtun kann.
Er selbst holt sich sehr oft Rat bei der befreundeten Geistheilerin Bea ((Ana Wagener), die ihn mit seinem Tod konfrontiert und ihm rät die wichtigen Dinge noch in Ordnung zu bringen.
Das Ziel heisst also alles so zu hinterlassen, dass es den Kindern auch nach seinem Tod gut gehen wird...
Als eine Passionsgeschichte ist das wuchtige Drama von Alejandro González Iñárritu angelegt.
Dabei wählt der Filmemacher erstmalig eine streng lineare Erzählstruktur, die passend ist für Uxbals Weg in den Tod, denn dieser ist unaabwendbar.
Die sonst so strahlende Stadt Barcelona wird von einer wüsten Seite aus gezeigt. Das Treiben im bunten, multiethischen Viertel El Raval erweist sich als Hölle Auf Erden, im Gauner- und Unterweltmilieu ist jeder sich selbst der Nächste, ein Unheil löst weitere Brandherde aus, das menschliche Elend durch die Armut ist allgegenwärtig.
In dieser, seiner Welt erlebt Uxbal seine letzten Tage, der Abschied verheißt vielleicht auch eine neue Hoffnung. Wer weiss.
Erneut ist Inaritu ein sehr gewaltiger, bemerkenswerter Film gelungen, in dem vor allem Javier Bardem eine großartige schauspielerische Leistung vollbringt, diese wurde sogar mit einer Oscarnominierung belohnt.
Als mexikanischer Beitrag gelang dem Film auch die Nominierung zum besten fremdsprachigen Film, wurde allerdings von "In einer besseren Welt" geschlagen.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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