Sonntag, 9. Dezember 2012
Public Enemies
Regie: Michael Mann
Jagd auf John Dillinger...
Kennzeichnend für das Genre des Gangsterfilms ist die Schilderung von illegalen Aktivitäten einer Bande. In den vielen Fällen dreht sich die Geschichte der Hauptfigur um das Erlanger der Macht als Gangsterboss und möglicherweise auch sein tiefer Fall.
In den 30er Jahren entstanden drei bahnbrechende große Vertreter des Genres: "Scareface" von Howard Hawks, "Little Caesar" von Mervn Le Roy und "Public Enemie" von William A. Wellmann. Dabei wurden Darsteller wie James Cagney, E.G. Robinson oder Paul Muni zu Superstars.
Dann kam der Siegeszug des Film Noir, der die Gangsterfilme etwas verdrängen konnte, Ende der 60er Jahre gabs mit "Bonnie and Clyde" ein Comeback und führte ein paar Jahre später zum unangefochtenen Superfilm des Genres, der bis dato nie wieder in seiner überwältigenden Qualität übertroffen werden konnte.
Natürlich sind "Der Pate" und "Der Pate 2" gemeint.
Dabei gibts Nachfolgefilme fast auf Augenhöhe (Es war einmal in Amerika), ebnso immerhin noch hervorragende Filme (Good Fellas, Scareface, Carlitos Way, Casino) aber auch ganz gute, sehr akzeptable Arbeiten (Departed, American Gangster).
Michael Mann war auch schon in diesem Genre tätig, sein "Heat" wurde ein Welterfolg und mit "Public Enemies" hat er einen optisch brillianten Gangsterfilm geschaffen, der durch sein Retrolook glänzen kann.
Thematisiert wird der damalige Staatsfeind Nr. 1 namens John Dillinger (Johnny Depp), ein berüchtigter Bankräuber, der 1933 aus dem Staatgefängnis in Michigan mit Waffengewalt fliehen kann.
Das Gesetz ist gerade durch die Zunahme des organisierten Verbrechens am Aufbau einer bundesweiten Polizeibehörde, das Engagement von J. Edgar Hoover (Billy Crudup) steckt da noch in den Kinderschuhen.
Denn die Verbrechen nutzen die Staatsgrenzen innerhalb der USA als effektive Fluchtmöglichkeit und um der Strafe zu entgehen.
Hoover engagiert den sehr fähigen Polizisten Melvin Purvis (Christian Bale), um Dillinger zu schnappen. Der Bulle machte Furore, weil er den berüchtigen Pretty Boy Floyd (Channing Tatum) abgeknallt hat.
Auch Dillingers genauso gefährliche Gangsterkollegen wie Babyface Nelson (Stephen Graham) oder Van Meter (Stephen Dorff) stehen ganz oben auf der Liste der Jäger.
Purvis merkt schnell die Gerissenheit und Überlegenheit der Gangster gegenüber seiner sehr jungen unerfahrenen Mannschaft, er holt sich daher auch routinierte kaltblütige Bullen wie Texas Cowboy Charles Winstead (Stephen Lang), die begnadete Scharfschützen sind, ins Boot.
Dillinger lernt die hübsche Billie Frechette (Marion Cottilard) kennen und kann die Frau trotz deren Bedenken und Ängste überreden ein Leben mit ihm zu führen. Was gar nicht so einfach ist, wenn man ständig auf der Flucht ist und immer auf der Hut sein müss, ob nicht eine Kugel dem Leben ein Ende macht.
Trotzdem hat Dillinger weiterhin Spass am Gangsterleben, für die verarmte Bevölkerung während der Depression ist er eh ein moderner Robin Hood...
Wie immer liefert Kameramann Dante Spinotti (L.A. Confidential, Nell, Heat, Der letzte Mohikaner) eine beeindruckende Kameraarbeit ab, von der der Film sehr profitiert. Es ist eher ein optischer Film, der durch viele einzelne beeindruckende Szenen glänzt. In der Gesamtheit wirkt er etwas kühl und distanziert. Trotz der sehr guten Qualität ist der Film emotional nicht so stark, dass ich richtig begeistert sein kann.
Was bleibt ist ein guter Genrebeitrag, aber kein Alltime-Klassiker.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
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