
Regie: Roland Emmerich
Die Seele unserer Zeit...
Wer kennt sie nicht, die Blockbuster "Independence Day", "Stargate", "2012", "Day after Tommorrow" oder "10.000 BC". Alles Erfolgsfilme des deutschen Regisseurs Roland Emmerich. Ich muss zugeben, dass ich noch von keinen Film von ihm begeistert war, für mich waren seine besten Arbeiten lediglich nette Popcornfilme. Einige sogar echte Gurken. Umso erstaunlicher sein neuestes Werk "Anonymous" - sein nach "Der Patriot" zweiter Ausflug ins Genre des Kostümfilns. Doch statt Heldentum wagte er sich mit "Anonymous" an die Frage heran, von wem die Werke von William Shakespeare tatsächlich verfasst wurden, die seit langem in Literaturkreisen unter dem Titel "William Shakespeare Urheberrecht" disktuiert werden.
Emmerich greift dabei die äusserst interessante Oxford Theorie auf, die davon ausgeht, dass Edward de Vere, der 17. Earl von Oxford und Lord Great Chamberlain, Verfasser der Stücke war.
Nach einem Theaterprolog von Derek Jacobi öffnet sich das Tor ins Tudor England des ausgehenden 16. Jahrhunderts, Königin Elisabeth I. (Vanessa Redgrave) ist inzwischen alt geworden und es soll schon von die Nachfolge geregelt werden.
Edward de Vere (Rhys Ifans) und sein Freund, der junge Earl of Southhampton (Xavier Samuel) besuchen das Theater, sie sind begeisterte Zuschauer - doch wieder einmal soll ein Stück mit Soldatenpräsenz abgesetzt werden.
Ende des elisabethanischen Zeitalters blüht die politische Intrige zwischen den Tudors und den Cecils, Vater Wilhelm (David Thewlis) und seinem buckligen Sohn Robert (Edward Hogg), die Maria Stuarts Sohn auf dem englischen Thron sehen wollen.
Der widerum wird auch vom Earl of Essex (Sebastian Reid) begehrt und beansprucht, somit hat der Machtkampf schon begonnen.
Einige Zeit vorher werden die Stücke eines gewissen William Shakespear (Rafe Spall) aufgeführt und beim Volk immer populärer.
Was keiner weiß ist die Tatsache, dass de Vere diese Stücke heimlich verfasst hat und dem Theaterbesitzer Ben Johnson (Sebastian Armesto) mit einer guten Belohnung aufgetragen hat seine Stücke unter dem Namen Johnsons zu veröffentlichen und aufzuführen.
Nur fürchtet dieser Johnson um seinen Ruf und macht dem Schauspieler Shakespear das Angebot den Verfasser zu spielen.
Dieser geht natürlich in dieser Rolle auf, denn es handelt sich bei Stücken wie "Hamlet", "Romeo und Julia" oder "Macbeth" zweifelsohne um großartige Meisterwerke, die auch die Seele der Zeit widerspiegeln.
In einer Rückblende wird 40 Jahre zuvor die junge Elisabeth (Joely Richardson) gezeigt, die für den theaterbesessenen jungen De Vere (Jamie Campbell Bower) schwärmt. Er wird irgendwann Geliebter der Königin. Die Liason wird aber unterbunden....
Die Theorie, die Emmerich aufgreift, ist irgendwie verwegen, aber zweifelsohne ist ihm ein sehr spannender, lockerer und temperamentvoller Historienfilm gelungen, der sehr viel Spass macht und viel Esprit und Verve ausstrahlt.
Man braucht zwar ein bisschen Geduld, bis sich die einzelnen Zeitspürnge logisch verbinden, aber es ist eine Freude, wie atmosphärisch Emmerich (trotz CGI) ein prachtvolles London des Jahres 1600 zum Leben erweckt hat. Zudem sind auch die Figuren nie uninteressant. Grandios einmal mehr die großartige Vanessa Redgrave mit iher Interpretation der alten Elisabeth. Meine Lieblingsszene kommt schon am Anfang, als für die Monarchin ein Stück aufgeführt werden soll und eine Schauspielergruppe am Hof erscheint und die Königin beim Anblick der jungen Akteure begeisternd und sehr irre zugleich ein wehmütiges Lachen entlockt.
Wer sich nicht daran stört, dass der "echte" Shakespeare hier als Säufer, Angeber und halben Analphabeten dargestellt wird, der wird sicher mit diesem Film einen vergnüglichen Abend erleben. Meiner Meinung ist er sicherlich genauso gut wie ein "Shakespeare in Love".
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