Sonntag, 9. Dezember 2012
Poliezei
Regie: Maiwenn
Eine eingeschworene Gemeinschaft...
2005 schuf Xavier Beauvois mit dem spröden Polizeifilm "Eine fatale Entscheidung" ein kleines, sprödes Meisterwerk des Genres. Leider wurde der Film wenig bekannt, umso erfeulicher, dass die junge Filmemacherin Maiwenn Le Besco nun einen filmisch nahe Verwandten dazu geschaffen hat. Der eingedeutschte Filmtitel "Poliezei" heisst im Original "Polisse" und *"Poliezei" und bedeutet eine nachlässig, kindlich ausgesprochene Form des französischen Wortes "Police".
Gezeigt wird der realistische Alltag der Jugendschutzabteilung der Pariser Polizei und die haben alle Hände voll zu tun. Das Aufdecken von unerlaubter Kinderarbeit ist noch eins der harmloseren Delikte. Sehr emotional gehts dann zu, wenn Kinder, die auf der Straße leben müssen von den obdachlosen Müttern getrennt werden sollen, weil diese ihre Kinder nicht mehr ernähren können. Ganz weit oben auf der Liste steht aber der sexuelle Mißbrauch an Kindern, der sich vor allem in der näheren Verwandtschaft oder Familie vollzieht.
Das zerrt an Psyche und Physis der bunten Truppe, kittet zusammen, führt aber auch zu Rissen. Allein als verschworene Gemeinschaft können sie die Belastungen einigermassen ertragen. Auch Freundschaften enstehen wie die der kühlen Iris (Marina Fois) mit der gerade geschiedenen Nadine (Karine Viard).
Aufgrund von PR-Zwecken wird die Fotografin Melissa (Maiwenn) vom Polizeichef engagiert, die Gruppe in ihren Alltag zu begleiten, zu fotografieren und zu filmen. Die schüchterne Frau mit dunkler Brille kommt nicht bei jedem in der Gruppe an und wirkt auch in der ersten Zeit wie ein Fremdkörper. Sie bleibt vorerst immer neutral als Beobachter hinter der Kamera, während die Einheit in ihrer Arbeit emotional belastet sind...
Der Film erhielt 14 Nominierungen bei der Verleihung des französischen Filmpreises César 2012, wovon er zwei gewinnen konnte (Beste Nachwuchsdarstellerin, Bester Schnitt). Die Regieleistung von Maiwenn wurde mit dem Prix Lumiere 2012 geehrt.
Tatsächlich gelingt der Filmemacherin ein sehr aufwühlendes Werk mit großem Dokumentarcharakter. Sie gibt irgendwann sämtliche Distanz auf, was natürlich trotz der sperrigen Machart viele Emotionen freisetzt.
Ein Film, der in einer hässlichen Umgebung den Blick auf aussagekräftige Portraits wagt und immer mehr an Dichte und Intensität gewinnt.
Der Film ist sehr empfehlenswert, aber auch sehr heftige Kost, die nicht unbedingt für einen unterhaltsamen Filmabend geeigent ist. Auch die Machart mag nicht jedem gefallen, der Dokustyle ist Programm.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten
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