Sonntag, 23. Dezember 2012

Cosmopolis



Regie: David Cronenberg

Leben in der Stretch-Limousine...

Erst 28 Jahre jung und schon Billionär: Eric Packer (Robert Pattison) fährt langsam über Manhattan mit seiner gepanzerten Luxuslimousine mit voller Büroausstattung. Er will trotz Stau zu seinem Lieblingsfriseur. Begleitet wird er von seinem Bodyguard Torval (Kevin Durand). Die Fahrt könnte lange dauern, denn der Stau ist gerade heute besonders groß. Zum einen kommt der Präsident der Vereinigten Staaten zu Besuch in die Stadt, zum anderen findet auch das Begräbnig von Packers Lieblingsrapper, der viel zu früh starb, statt.
Es kursieren auch Gerüchte, die einen Anschlag auf Packer nicht unwahrscheinlich erscheinen lassen. Kein Wunder: Der junge Mann mit perfektem Aussehen gehört zu dieser Sorte der gierigen Finanzmanager, die alle Menschen um sich ohne Skrupel aussaugen.
Der Mann ist Anlageberater und Superkapitalist, für den es im Leben nur darum geht, Geld zu vermehren. Er hat lediglich Interesse für das Geld seiner Kunden und damit natürlich für sein eigenes Vermögen. Zerstörte Existenzen, die er auf dem Weg nach ganz oben auf dem Gewissen und ruiniert hat, interessieren ihn nicht mal am Rande.
Wie immer wird alles im Auto erledigt:
Zwei Technik-Nerds (Jay Baruchel, Philip Nozuka), denen er einzeln Audienz im Wagen gewährt und die für ihn arbeiten, ihn erfolgreich mit der virtuellen Welt vernetzten.   Seine Kunsthändlerin (Juliette Binoche), mit der er ein Quickie macht oder ein Arzt, der ihm im Auto untersucht und feststellt, dass die Prostata asymetrisch ist. Durch den Stau ist sogar kurz Zeit seine neue Ehefrau (Sarah Gadon), die er kaum kennt in einem Bistro zu treffen. Das wichtigste Date des Tages ist aber vielleicht seine Finanzberaterin (Samantha Morton), die ihm mitteilt, dass sein Vermögen sich womöglich demnächst auflöst. Wie gewonnen, so zerronnen...




Der neue Film von David Cronenberg ist wieder ganz anders als sein Vorgänger "Eine dunkle Begierde", der ebenfalls - zumindest auf den ersten Blick - etwas ganz anderes war als der kanadische Filmemacher mit Faible für den Body-Horror bislang abgeliefert hat.
Don DeLillo hat seinen Roman "Cosmopolis" 2003 veröffentlicht, als bitteren und zynischen Kommentar auf den zusammenbrechenden New-Economy-Hype. Sozusagen seiner Zeit etwas voraus und gar prophetisch deutbar, denn die Wirtschaftskrise wurde ja auch zur bitteren Realität.
Obwohl Cronenberg zeigt und nicht bewertet dürfte der sehr sperrige und spröde Film beinahe schon ein Kultfilm für die Occupy-Bewegung sein. Denn die Hauptfigur Eric Packer kommt natürlich nicht so gut weg. Sogar noch schlechter als Gordon Gecko, der 1987 die "Wall Street" unsicher machte, ein genauso gieriger Geldvampir war - aber immerhin noch zu Emotionen fähig war. Dem jungen Eric Packer geht diese Eigenschaft völlig ab, er wirkt farblos, ohne Kontur und noch um ein vielfaches blasser als Robert Pattisons Vampirboy Edward Cullen in der Twilight Saga.
Immerhin hat Cronenberg einen Film gemacht, über den man auch diskutieren kann. Die Geschichte ist zwar reichlich überspannt und auch träge, bietet aber ihre Reize und es ist nicht verwunderlich, dass bei "Cosmopolit" die Meinungen stark auseinandergehen. Cronenberg wollte vermutlich polarieren, dies dürfte ihm sicherlich gelungen sein. Und sicherlich hat er unter den vielen treuen Fans von Pattison viele in sein Kapitalismusdrama gelockt. Die dürften doch sicherlich was ganz anderes erwartet haben...kicher.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

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