Samstag, 22. Dezember 2012

J. Edgar



Regie: Clint Eastwood

Der mächtige Mann im Staat...

John Edgar Hoover, bekannt als "J. Edgar" war der Begründer des Federal Bureau of Investigation (FBI) und vom 10. Mai 1924 bis zu seinem Tod im Jahr 1972 dessen Direktor.
Hoover wuchs in Washington D.C. auf, die Nachbarschaft war durch Staatsbedienstete geprägt. Seine Eltern waren konservativ und christlich-religiös eingestellt, die Mutter war die dominierende Person des Haushalts.
Clint Eastwood zeigt auf verschiedenen Zeitebenen das politische und private Leben eines der Urväter des kollektiven amerikanischen Verfolgungs- und Bedrohungswahns auf. Mit größter Hingabe schuf Hoover einen Sicherheitsapparat, den er in seine Obhut nahm und bis zu seinem Tod nicht losließ. Er führte dieses Amt unter 8 Präsidenten, war bei keinem sonderlich beliebt - aber durch seine geheimgehaltene Kartei über umfangreiche und kompromittierende Informationen konnte er seine Machtposition immer sichern.
Die Bundespolizei der USA ist im Grunde seine Erfindung, er baute sie zu einer technisch hochgerüsteten Behörde zur Verbrechensbekämpfung aus – und zu einem gefürchteten Inlandsgeheimdienst.
Seine Verdienste in den Gangsterkriegen der Dreißiger oder bei der Spionageabwehr im Zweiten Weltkrieg sind Fakt. Seit den vierziger Jahren rankten sich Gerüchte um seine angebliche Homosexualität.
Clint Eastwood wandelt mit "J.Edgar" wieder auf dem Terrain, mit dem er schon in "Der fremde Sohn" erfolgreich war. Denn ein Großteil der Geschichte skizziert in starken Szenen diese Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Hoover ist Zeitzeuge der amerikanischen Angst vor dem aufkeimenden Kommunismus, der dann von der Ära großer Gangster abgelöst wird. Auch die Entführung des Lindbergh-Babys - damals Weltschlagzeile - ist Thema von Eastwoods schillerndem Biopic.
Drei Menschen sind die Verbündeten von Hoover: Zum einen seine Mom (Judi Dench), die ihm das Tanzen lernt, weil sie ahnt, dass der Sohn sich nicht für sonderlich für Frauen interessiiert.
Zum zweiten seine Sekretärin Helen Gandy (Naomi Watts), der er in den zwanziger Jahren einen Heiratsantrag macht, die aber statdessen seine Sekretärin wird. Zum dritten sein späterer Stellvertreter Clyde Tolson (Arnie Hammer), der 1927 beim zweiten Anlauf eine Stelle bei Hoovers FBI bekommt - mehr noch: Er wird zu Hoovers Assistent.


Es wird angenommen, dass J. Edgar und Clyde Lebensgefährten waren, denn die Männer arbeiteten tagsüber eng zusammen, besuchten am Abend die gleichen Clubs und führen oft gemeinsam in den Urlaub.
Mit dieser Geschichte über diese schillernde wie umstrittene Persönlichkeit gelang es Eastwood noch einmal einen großartigen Filmklassiker zu schaffen, der in diesem Kinojahr viel zu wenig Beachtung fand. Mit einer sehr guten Darstellerleistung beeindruckt auch Leonardo di Caprio, der vor allem als alternder Hoover optisch imponiert.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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