Sonntag, 9. Dezember 2012
Tödliche Fragen
Regie: Sidney Lumet
Fragen und Antworten...
Es ist einer seiner unbekanntesten Filme: Der 1990 entstandene Polizeithriller "Tödliche Fragen" (im Original: Q & A) - ein Film von Meisterregisseur Sidney Lumet. Damals von der Kritik nicht gewürdigt, an der Kasse schlecht besuchte Film im harten, progressiven und kompromisslosen 70er Jahre Style,überzeugt das fesselnde Drama auf einem 1976 basierenden Roman von Edwin Torres.
"Tödliche Fragen" zeigt eindrucksvoll die Epidemie von Rassenhass, die die Polizei, die Strafjustiz und die verschiedenen Verbrechersyndikate in New York durchdringt.
Der irisch-amerikanische Chef der Mordkommission Kevin Quinn(Patrick O'Neal) meint schon lange, dass ein Krieg da draußen herrscht zwischen den Polizisten und den Leuten, die die Stadt zerstören würden (womit er instinktiv Schwarze, Schwule oder Hispanics meint).
Deshalb scheint der Fall von Notwehr doch ziemlich klar. Einer seiner Männer, der legendäre Lieutenant Mike Brennan (Nick Nolte) hat einen puerotricanischen Gangster vor einer Schwulenbar erschossen, weil dieser seine Knarre ziehen wollte.
Ein glasklarer Fall - zuerst auch für den jungen Staatsanwalt Al Reiley (Timothy Hutton), den er mit dem Routinefall betraut.
Reiley - so vermutet Quinn - sei vom gleichen guten Schlag, denn schliesslich war der junge Mann jahrelang bei der Polizei und auch Reileys Vater war Bulle, einer vom Schlage wie Brennan.
Reiley, noch etwas grün hinter den Ohren, hat in dem älteren jüdischen Anwalt Leo Bloomenfeld (Lee Richards) eine Art Mentor, der ihn immer mal wieder mit guten Ratschlägen unterstützt.
Gemeinsam mit den Detectives Chapman (Charles Dutton) und Detective Valentin (Luis Guzman) laufen die Routinebefragungen an.
Bald beginnt Reiley zu ahnen, dass hinter der Notwehr ein gemeiner Mord stecken könnte. Aufschluß könnte der puertoricanische Drogendealer Bobby Texador (Armand Assante) geben, den er vorlädt. Überraschenderweise trifft er bei dieser Vorladung seine einstige Liebe Nancy Bosch (Jenny Lumet) wieder, die jetzt mit dem Gangster verheiratet ist.
Es geht in dem düsteren und atmosphärisch beklemmenden Polizeithriller um gekaufte Cops und deren Beziehungen zur Mafia. Der Film spielt im Schwulen- und Rauschgiftmilieu sowie in den Etagen der Polizei und der Staatsanwaltschaft.
Wie sehr oft bei Lumet ist die Korruption in diesen Kreisen das Thema - in "Tödliche Fragen" hat er mit dem Vorzeigecop, dem von vielen seiner Kollegen bewunderten Cop, der immer in 1. Reihe die Gangster jagt und schon vielen seiner Kollegen das Leben gerettet hat, eine Hauptfigur, die tatsächlich glaubt, dass der Krieg "da draussen" wohl alle Mittel rechtfertigt.
Der junge Staatsanwalt erhält im Laufe der Geschichte einen wirklichen Einblick in die Machenschaften eines riesigen Apparates, bei dessen Bekämpfung man irgendwann an die Grenzen kommt.
Großartig auch die Performances von Armand Assante als Drogenboss oder Paul Calderon als DragQueen.
In einer Neubewertung zähle ich "Tödliche Fragen" ohne zu Zögern zu den besten Filmen Lumets, in seinen besten Momenten schafft er eine beklemmende Atmosphäre wie seine Meisterwerke "Hundstage" oder "Before the devil knows you´re dead".
Wer ihn noch nicht kennt: Viel vergnügen beim Entdecken eines potentiellen Klassikers des Neo-Noir.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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