Samstag, 8. Dezember 2012

Das fliegende Auge

























Regie: John Badham

Der Big Brother der Lüfte...

"Blue Thunder" so der Originaltitel von John Badhams "Das fliegende Auge" aus dem Jahr 1983 markiert ein bisschen einen Wendepunkt im Actiongenre, denn einerseits hat er noch deutliche Anleihen zum spannenden progessiven 70er Jahre Kino, andererseits ist er bereits einer dieser Hochglanz-Actioner, die von genau derselben Machart heute noch das Genre prägen. Eine Art Vorläufer zu Filmen wie "Staatsfeind Nr. 1", aber auch mit Action zugepflasterten "Die Hard" Reihe, in der jede Sekunde die Welt gerettet werden muss.
Und so gestaltet sich auch das Showdown von "Blue Thunder", dort lebt es sich im Luftraum von Los Angeles äusserst gefährlich, noch gefährlicher allerdings - so will es die Action - die Bevölkerung auf dem Boden. Denn in einer heiklen Ausnahmesituation hat nicht mehr der Chief der Los Angeles Police Department das Sagen, sondern der Bürgermeister gedrängt durch das FBI, das Militär und hochrangige Politiker, die den "Blue Thunder" durch zwei Air National Guard F-16 fighters abschießen lassen wollen. Brisant und absurd zugleich der Krieg in der Luft, bei dem keine Rücksicht auf Collateral-Schäden erwogen wird.
Eine Szene erinnert sogar an die Katastrophe vom 11. September.
Was man nicht alles tut, um die ultimative Action zu erzeugen und trotz der maßlosen Übertreibung sind die Showdown-Szenen äusserst spannend.
Aber der Reihe nach:  Francis McNeil "Frank" Murphy (Roy Scheider) ist ein versierter wie verwegener Hubschrauber-Pilot-Offizier des LAPD und darüberhinaus ein psychisch problematischer Vietnamkriegs-Veteran, denn er hat seine posttraumatische Belastungsstörung noch nicht völlig überwunden. Sein Partner wird der Youngster Richard Lymangood (Daniel Stern).
Ihre Aufgabe ist es mit dem Hubschrauber durch die kalifornische Metropole zu fliegen, immer mit offenen Augen, denn sie geben ihren Kollegen in den Streifenwägen Unterstützung bei der Verbrechensbekämpfung.
Beim letzten Erkundungsflug macht Frank einige Beobachtungen die sich am Haus der Stadträtin Diane McNeely abspielen, die kurze Zeit später ermordet wird. Alles sieht so aus wie ein ganz normaler Raubüberfall.
Murphy wird ein paar Tage später für die Steuerung des weltweit modernsten Hubschrauber ausgewählt, der den Spitznamen "Blue Thunder" hat. Es handelt sich dabei um eine High Tech Maschine, die einem MilitärKampfhubschrauber gleicht. 
Also optimal konzipiert für die Terrrobekämpfung, aber auuch für das Niederschlagen von Aufständen. Mit starker Bewaffnung, Infrarot-Scanner, leistungsstarken Mikrofonen und Kameras, extremster Geräuschlosigkeit ist der Vogel eine High Tech Waffe auch leise Geräusche auf große Entfernungen aufzunehmen oder mittels Wärmebildkamera auch durch dicke Wände hindurch Personen aufzuzeichnen.
Und genau diese Funktionen werden für die beiden Piloten zur größten Gefahr, denn sie werden Zeuge einer Verschwörung. Ausserdem kommt Vietnam wieder hoch, denn am Projekt "Blue Thunder" beteiligt ist auch ein gewisser Colonel F. E. Cochrane (Malcolm McDowell). Die beiden kennen sich aus Vietnam...


Der Film wurde 1984 für den Oscar in der Kategorie Bester Schnitt nominiert, auserdem gabs Nominierungen für den Saturn Award:  Bester Science-Fiction-Film, Bester Hauptdarsteller und Beste Nebendarstellerin Candy Clark, die als todesmutige, um nicht zu sagen wahnsinnig agierende Freundin von McMurphy den Preis auch gewinnen konnte.
Sie liefert mit die aufreibendsten, aber auch haarsträubendsten Szenen des ganzen Films, absurd auch deshalb, weil McMurphy seine Geliebte zwar von oben versucht zu beschützen, aber sie bewusst einem sehr hohen Risiko aussetzt, dass die Gute draufgeht. Kate - so heisst das Mädel - scheint aber Spass daran zu haben, die Straßen von L.A. kamikazemässig aufzumischen. Immer angefeuert von McMurphy, der von oben beobachtet.
Der Film war so erfolgreich, dass er eine ebenso erfolgreiche, aber billig konzipierte TV-Serie. Der Film, der von den Gefahren der totalen Überwachung und der militärischen Bewaffnung einer Polizeibehörde handelt, ist aber vor allem der Action verpflichtet, deshalb muss der Zuschauer angesichts der fulminanten Action den kritischen Unterton selbst erkennen.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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