
Regie: William Wyler
Ich will doch nur, dass Du mich liebst...
Frederik Clegg (Terence Stamp) ist ein junger Sonderling und Einzelgänger, Von seinen Arbeitskollegen in der Bank wird der introvertierte Mann immer mal wieder wegen seines eigenartigen Hobbies aufgezogen. Frederik fängt und sammelt in seiner Freizeit Schmetterlinge.
Sein stolzes Archiv der toten Tiere beinhaltet fast alle heimischen Arten. Nur mit den Freunden klappt es nicht, er ist allein.
Als er im Fußballtoto einen beträchtlichen Gewinn einfährt, ist er von einem Tag auf den anderen finanziell unabhängig und kann die sichere Stelle als Bankangestellter beruhigt kündigen. Er kauft sichin der Nähe von Sussx auf dem Land ein Haus mit Anwesen. Der nächste Nachbar wohnt einige Meilen entfernt. In dieser ruhigen Abgeschiedenheit und selbst gewählten Isolation scheint er sich wohl zu fühlen.
Im Nebengebäude befindet sich ein Keller, den er sich eingehend ansieht. Tagsüber streift er mit einem Lieferwagen durch die Stadt und beobachtet eine junge schöne Frau (Samantha Eggar). Dieses Mädchen ist lebenslustig, Kunststudentin und heisst Miranda Gray. Er scheint heimlich für die junge Frau zu schwärmen, doch seine Schüchternheit macht ein normales, ungezwungenes Kennenlernen nicht möglich.
Frederik hat aber auch eine Alternative im Kopf mit der Frau in Kontakt zu treten. Er entführt sie kurzerhand, indem er sie in einer Nebenstraße betäubt und sie in diesem Keller seines Hauses einschliesst.
Die junge Frau wird wach und sieht ihren Entführer, der so gar nicht wie ein Verbrecher aussieht und sich auch gar nicht wie einer benimmt. Er hat Manieren wie ein Gentleman und bietet ihr ein Frühstück an.
Miranda ist verwirrt über diese ungewöhnliche Entführung, denn der höfliche Mann hat weder vor sie zu erpressen noch sie sexuell zu belästigen.
Er will sie mit dieser Freiheitsberaubung dazu bringen, ihn zu lieben. Dies - so meint er - könnte gelingen, wenn sie sich miteinander unterhalten. Er hat da so an eine Zwangsmaßnahme von ca. 6 Wochen gedacht. In der Not kann die Frau das Kidnapping auf 4 Wochen zu befristen. Er lässt sich darauf an. Aber hält der sonderbare Neurotiker auch tatsächlich Wort...
"Der Fänger" ist ein eher weniger bekanntes Werk von Hollywood-Altmeister William Wyler aus dem Jahr 1965. Der Film, der als Kammerspiel angelegt ist, enstand nach dem Roman "Der Sammler" von John Fowles.
Die morbide Geschichte ist ruhig und gleichsam tragisch inszeniert.
Kommunikation und Kommunikationsmangel, Klassen- und Bildungsunterschiede – all dies zeigt sich zwischen den beiden Hauptfiguren als unüberwindbare Brücke. Der sonderbare Entführer ist eher kein klassischer Bösewicht, was ihn aber nicht ungefährlicher für sein Gegenüber macht. Er weiß sich einfach nicht anders zu helfen und in neurotischer Manier ist sein Objekt der Begierde ein weiteres Sammelstück wie seine Schmetterlingssammlung.
Im Gedächtnis für den Zuschauer bleibt vor allem das kalte wie sensible Spiel des noch jungen Terence Stamp, der nach dem erfolgreichen Fang freudestrahlend durch den Regen tanzt und so der Irrsinn aufgezeigt wird.
Er ist sich selbst im Klaren darüber, dass er für sein Opfer eine Auwegslosigkeit geschaffen hat, die Dynamik kann sich natürlich nur destruktiv ausbreiten...
Der Schluß oder die Moral von der Geschichte ist fies und gut gemacht.
Als Thriller wirkt der Film natürlich sehr subtil und auch wie bereits erwähnt kammerspielartig. Die Geschichte ist allerdings der reinste Horror.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.




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