Sonntag, 9. Dezember 2012

Der Swimmingpool


























Regie: Jacques Deray

Unter der Sonne von Saint Tropez...

Filme wie "Die Dinge des Lebens", "Das Mädchen und der Kommissar" oder auch "Der Swimmingpool" markieren die Wende der ewigen "Kaiserin Sissi" Romy Schneider ins Charakterfach des französischen Films...mehr noch: Sie wurde dort zum Big Star.
Der von Jacques Deray gedrehte "La Piscine" (so der Originaltitel) versteht sich sowohl als heißkaltes Spiel einiger miteinander verbundener Menschen und auch als Psychodrama der leisen Töne, das ausschließlich von dem brillanten Spiel der vier Hauptdarsteller lebt.
Marianne (Romy Schneider) und Jean-Paul (Alain Delon) lassen es sich in einer wahnsinnig geilen Villa in Saint-Tropez gut gehen.
Sie wollen dort einige Wochen ihren Urlaub verbringen, das Paar ist seit über 2 Jahren zusammen und erotisch knistert es noch wie am Anfang.
Am Telefon meldet sich der Musiker Henry (Maurice Ronet). Er ist grad in der Gegend und will mit seiner jungen Tochter Penelope (Jane Birkin) mal kurz Guten Tag sagen, bevor es nach Mailand weiter gehen soll.
Henry ist Mariannes Ex-Lover und gleichzeitig auch der beste Freund von Jean-Paul. Daher ist die Stimmung bei seinem Eintreffen gleich sehr emotional. Man spürt die Verbundenheit, aber auch aufgestaute Gefühle, die sich noch nicht entladen haben.
Ganz zum Leidwesen von Jean-Paul bittet Marianne die beiden Besucher länge zu bleiben. Für Vater und Tochter ist das Angebot sehr verlockend, denn das Haus, die wunderbare Gegend und vor allem der herrliche Pool sind einfach unwiderstehlich.
Bald gibts kleine Eifersüchteleien, es brodelt ganz schön unter der freundlichen Fassade. Zudem baggert Jean-Paul auch die junge Penelope an...


Für heutige Verhältnisse ist "Der Swimmingpool" äusserst langsam erzählt - wahrscheinlich würde das heutige Kinopublikum den Film eher langweilig empfinden, denn in den ersten Passagen passiert nicht viel.
Jacques Deray lässt sich viel Zeit die großartige Location zu zeigen und legt nur langsam und subtil die hintergründigen Seiten der Protagonisten frei. Weit über dem Durchschnitt hat Kameramann Jean-Jacques Tarbes hier vorzügliche Arbeit geleistet, seine Bilder sind meistens um 35 Grad angesiedelt und er schwelgt beinahe in der Sommerhitze.
Langsam und sorgfältig wird die Entfremdung des Liebespaars gezeigt, die Beziehung droht auseinanderzubrechen.
Spannung ensteht nicht aus Suspence, sondern eher durch das Interesse des Zuschauers wie sich die Beziehungen der vier Figuren im Laufe der Geschichte entwickelt. Erst im Hauptteil entsteht sowas wie Sex and Crime Feeling, denn der Konflikt geht soweit, dass ein Kommissar (Paul Crauchet) ermittelt.
Ich kannte "Swimmingpool" noch nicht, fand ihn auf Anhieb sehr gut - in seinen besten Momenten kommt sogar ein bisschen Chabrol-Feeling auf.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

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