Samstag, 8. Dezember 2012

Ein Zug für 2 Halunken



















Regie: Robert Aldrich

König der Nordroute...

Eine bizarre Episode aus dem Leben der Verlierer der Wirtschaftskrise: 1933 herrscht landesweit die große Depression, es ist in dieser harten Zeit schwer zu überleben, das Land ist übersäht mit heimatlosen und vermarmen Menschen. Viele haben Hab und Gut verloren und sind inzwischen obdachlos, führen ein Leben als Landstreicher.
Diese Tramps nutzen die Güterzüge als günstiges Transportmittel, indem sie einfach während der Fahrt aufspringen. Das ist natürlich verboten, denn fürs Zugfahren braucht man ne Fahrkarte und die kostet Geld, was die Landstreicher natürlich nicht haben.
Shack (Ernest Borgine) ist der berüchtigte Zugführer im Güterzug Nr. 19 mit der Endstation Portland.
Shack steht in dem miesen Ruf, daß es bisher noch kein Tramp geschafft hat, auf seinem Zug mitzufahren. Der Verteidiger der Schienen zu sein, ist der einzige Stolz des grimmigen und cholerischen Mannes, der auch von seinen Untergebenen gefürchtet wird.  Zwischen zwölf und sechzehn Tramps soll er schon während des fahrenden Zuges getötet haben, sagt man ihm nach. Die Dunkelziffer könnte gar viel höher sein, denn bereits in den ersten Filmminuten schreitet er mit einem Hammer zur Tat und schlägt diesem einem blinden Passagier über den Kopf, so dass dieser aufs Gleis fällt und vom Zug überrollt wird.
Andere favorisierte Waffen sind Ketten und Eisenstangen, die er ohne Skrupel einsetzt.
Einer der Tramps wird As Nr. 1 (Lee Marvin) genannt. Wir kennen seine Geschichte nicht, aber er ist einer dieser Tausenden von Gestrauchelten, die zu einem Nomadenleben verurteilt sind. As Nr. 1 hat aber auch als Tramp seinen Stolz nie verloren und er hat noch diesen Kampfgeist, den auch Shack zelebriert.
As Nr. 1 hat das besondere Talent, erfolgreich auf Zügen trampen zu können. Das hat ihm einen Ruf eingebracht, der auch an das Ohr der Gegner, indem Fall die Eisenbahnbediensteten,  gedrungen ist und tatsächlich geht selbst Shack davon aus, dass es nur diesen einen Hobo gibt, der ihm richtig Ärger machen könnte.
Eines Tages gelingt es As Nr. 1 durch List und Rafinesse ein Stück mit dem Zug Nr. 19 mitzufahren, verfolgt wird er dabei von dem jungen, naiven Tramp Cigaret (Keith Carradine), der reichlich an Selbstüberschätzung leidet und am Bahnhof - während der Flucht vom Zug - gefasst wird. Cigaret brüstet sich nun damit, der Bezwinger von Shack zu sein.
Doch man hegt Zweifel daran, was das junge Großmaul von sich gibt. As Nr. 1 wettet inzwischen mit anderen Tramps und Eisenbahnarbeitern, dass er es als erster schaffen wird, auf dem 19er die gesamte Strecke bis Portland zu fahren. Ein Kampf auf Leben und Tod bahnt sich an...

"Ein Zug für zwei Halunken" (Originaltitel: Emperor of the North) ist ein Film von Robert Aldrich aus dem Jahr 1973. Das von Christopher Knopf verfasste Drehbuch basiert auf dem Buch "Abenteurer des Schienenstranges"  von Jack London, der darin die Erfahrungen aus seiner Jugend verarbeitete, in der er als Landstreicher auf Güterzügen durch Amerika reiste.
Das Bild, dass in Aldrichs Film vorherrscht, ist kein romantisches Bild, wie wir es etwa aus "In der Glut des Südens" kennen, die Zufahrt repräsentiert immer eine Art Überlebenskampf, dass der Aussenseiter mit der herrschenden Ordnung zu führen hat.
Optimal besetzt als Kontrahenten sind Ernest Borgnine und Lee Marvin.
Darüberhinaus bietet der Film schönes Zeit- und Lokalkolorit, trotz der actionhaltigen Anteile.
Er zeigt wunderschöne Landschaftsaufnahmen des Bundesstaates Oregon, Zugführer im Westen der vereinigten Staaten zu sein ist sicherlich nicht der schlechteste Job der Welt, gelegentlich schleicht sich sogar ein faszinierendes Feeling ein, wie es Renoir mit seinem Eisenbahnfilm "Bestie Mensch" in den 30ern schaffte.
Markenzeichen von "Ein Zug für zwei Halunken" ist sein grimmiger Humor, sein herrlich altmodischer Touch, seine klasse Figurenzeichnung und die immer wieder brutalen Ausbrüche der Kontrahenten.
Zwei Männer, ihr Stolz und ein Territorium, über das einer der beiden herrscht und der andere dies auch beherrschen will.
Es ist die Geschichte von Männern, die sich in einer feindlichen Umwelt bewähren müssen, die Konflikte sind dabei nicht gering - sie sind archaisch und existenziell.
Der Kampf wird "Auge um Auge" geführt.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

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