Sonntag, 9. Dezember 2012

Lärm und Wut


























Regie: Jean Claude Brisseau

In den Ghettos von Paris....

Der dreizehnjährige Bruno (Vincent Gasperitsch) wirkt verloren, mit einem Vogelkäfig in der Hand läuft er durch eine der Pariser Vorstädte. Sein Ziel ist das verlassene Zuhause, endlich aus dem Jugendheim entlassen.
Doch seine arbeitende Mutter glänzt durch Abwesenheit, er findet eine verlassene Wohnung vor - die Mutter hat das Wichtigste auf Zettel geschrieben. Der Junge flüchtet sich in seine Traumwelt.
Die vielen Wohnblocks drängen sich schon arg ghettoisierend auf einem vorgelagerten Hügel zusammen.
Bereits bei seiner Ankunft macht er im Treppenhaus die Bekanntschaft von Jean-Roger (Francois Négret), dem jüngsten Sproß der Familie Roffi, der gerade die Fußmatten vor den Eingangstüren der Sozialwohnungen abfackelt.
Ein böser Umgang würde man sagen, aber die beiden Jungs freunden sich an.
Jean-Rogers prolliger und brutaler Vater (Bruno Cremer) nutzt die heimische Wohnung als Schießübungsplatz und feuert mit dem Repetiergewehr den Flur entlang auf selbstgemalte Indianersilhouetten.
Jean-Rogers älterer Bruder Thierry (Thierry Helene) versucht durch einen Job bei einer Zeitung dem sozialen Elend zu entkommen. Doch dessen Ambitionen sind ein Dorn im Auge des Vaters, der es gar nicht einsieht, warum man sein Geld mit einem Spießerjob verdienen soll. Insgeheim merkt der jüngere Jean-Roger, dass Thierry der Liebling des Vaters ist. Ihm schenkt der Alte kaum Beachtung.
Bruno wird unterdessen von seiner Lehrerin (Fabienne Babe) gefödert, denn sie erkennt das Potential, dass in dem introvierten Jungen steckt.

Der Film schildert das Leben in den Banlieus der 1980er Jahre, schon in diesem Zeiten herrscht Gewalt, Ausgrenzung, Einsamkeit, Deliquenz, soziale Benachteiligung, Bandenaktivitäten und Schulversagen. Der Regisseur Jean-Claude Brisseau drehte "Ärm und Wut" im Jahr 1988 - der Film erhielt in Cannes den Spezialpreis der Jugendjury.
Eindrucksvoll, phantasievoll und sehr einfühlsam schildert der Filmemacher das trostlose Leben in einem Pariser Vorort, dabei unterbricht er den kalten, brutalen Alltag immer wieder mit surrealen Szenen, die die Phantasie des Jungen aufzeigen, der von einer besseren Welt und von der noch nie erlebten Geborgenheit träumt.
Ziemlich schnell muss man feststellen, das dieser aussergewöhnlich gute Film sich doch ziemlich stark von den meisten anderen Vertretern seines Art abhebt, denn der Film wirkt gerade durch die Wunschträume nach einer besseren Welt ausserordentlich trostlos und aufwühlend.
Eine klare Empfehlung für Freunde anspruchsvoller französischer Film-Meisterwerke.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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