Freitag, 7. Dezember 2012
Die Sehnsucht der Veronika Voss
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Abgesang auf die noch junge BRD...
Fassbinders vorletzter Film "Die Sehnsucht der Veronika Voss" wurde 1982 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Er bildet Abschluss seiner s.g. BRD-Trilogie, zu der auch "Die Ehe der Maria Braun" und "Lola" gezählt werden und ist wahrscheinlich auch seine bitterste Abrechnung mit den Befindlichkeiten der jungen BRD. Ein geniales Drehbuch verbindet sowohl die Themen "Nazivergangenheit" und "Gier und Verbrechen im Wirtschaftswunderland" zu einer Einheit, die durch die tragische Geschichte eines vergessenen Altstars aus dem 3. Reich zusammengehalten wird und sich zu einem Krimi ohne Happyend und Aufklärung entwickelt. Veronika Voss profitierte wohl im 3. Reich, im Wirtschaftswunder-Deutschland ist sie hilflos und verloren. Veronika Voss ist auch dem Schicksal der Sybille Schmitz nachempfunden und wurde von Fassbinder stellenweise fast schon wie eine Hommage an Wilders "Sunset Boulevard" inszeniert.
Die wunderbar komponierten Kamerabilder von Xaver Schwarzenberger verstärken diesen Eindruck.
Rosel Zech spielt die dem Untergang geweihte, drogensüchtige und suizidale Diva, Hilmar Thate den unbedarften Sportreporter, der Veronika Voss kennenlernt, Cornelia Froboess seine Freundin, die ihn liebt und auf Gegenliebe hofft, die Schwärmerei zu der Voss duldet und Annemarie Düringer, die berühmte Burgtheaterschauspielerin spielt Dr. Katz, die grosszügig morphiumverteilende Ärztin und eiskalte, skrupellose Repräsentantin der neuen BRD in den 50er Jahren.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.
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