Freitag, 7. Dezember 2012
The Good German
Regie: Steven Soderbergh
Berlin im Jahre Null...die Mörder sind unter uns
Der Begriff "Good German" ist nicht, wie man meinen könnte, positiv gemeint, sondern im angelsächsischen Sprachraum eine negative Bezeichnung für Menschen, die sich unter einem politischen Regime unauffällig verhalten, zwar keine Täter aber dafür schuldige Mitläufer sind.
Im Film von Steven Soderbergh ist der Begriff immerhin auch zweideutig zu verstehen, denn die Story handelt tatsächlich von Mitläufern, ja sogar von Tätern - aber nicht nur auf deutscher Seite. Nein, auch von einem guten Deutschen, der seine Schuld einsieht und diese offenlegen will.
Soderberghs "Good German" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joseph Kanon.
Schon die erste Einstellung, das Verleiherlogo von Warner, ist durch die Schwarz-Weiß-Darstellung und altem Design 40er Jahre pur und ist Auftakt für eine komplexe Story, die ziemlich schnell ihre Vorbilder offenlegt: "Casablanca", weil sich zwei Liebende wiederfinden, die sich aus den Augen verloren haben, aber das Wiedersehen nicht unbedingt unbeschwert abläuft, Film Noir wie "Goldenes Gift", weil die Frau, der Geschichte eine Geschichte hat und zur Femme Fatale wird, "Der dritte Mann", weil die Geschichte in der zerbombten Großstadt spielt, eine Schwarzmarkt-Atmosphäre liefert und "Das Urteil von Nürnberg", weil in Soderberghs Film auch ein geschichtsträchtiges Datum, die Potsdamer Friedens-Konferenz, als Rahmenhandlung gewählt wurde.
Bereits in den ersten Szenen ein Staunen wegen der exquisiten Schwarzweissbilder, den eingefügten Originialaufnahmen, die fast identisch mit Soderberghs gedrehtem Material verschmelzen. Sogar Rückprojektoren für den Hintergrund oder Reißschwenks für manche Szenenübergänge wurden verwendet: Daher bemerkt der Zuschauer gleich am Anfang nicht nur einen Captain Jakob Geismar (George Clooney) im Jeep mit seinem zugewiesenen Fahrer Patrick Tully (Tobey Maguire), sondern auch die Tricktechnik der 40er Jahre, als die Akteure noch im Studio sassen und im Hintergrund aber Bilder vom zerbombten Berlin zu sehen sind.
Jake Geismar ist Journalist, der zur Potsdamer Konferenz ins Nachkriegs-Berlin geschickt wird und von dort berichten soll. Durch seinen jungen Fahrer, der sich im Lauf der Geschichte immer mehr vom oberflächlich sympathisch wirkenden "young american guy" zu einer kleinen fiesen Ratte wie Harry Lime - nur viel dümmer - entpuppt, findet er seine grosse Liebe von damals, Lena Brandt (Cate Blanchett) wieder. Lena überlebt in der Stadt, weil sie als Prostituierte Geld verdient. Aber sie trägt auch ein oder mehrere Geheimnisse mit sich herum, die besser im Verborgenen bleiben würden. Eh sich Jake versieht, ist er in einer mehr als undurchsichtigen Geschichte involviert, es geht um ein Mordkomplott, um Korruption, um Altnazis, die für dem Atombombenbau in der beginnenden Kalten Kriegs Phase gebraucht werden, aber auch um einen damaigen Mitläufer (Christian Oliver), der sein Gewissen erleichtern will und enorme Kenntnisse über die unmenschlichen Zustände im Konzentrationslager Dora-Mittelbau und die Verwicklung deutscher Wissenschaftler besitzt.
Erschwert wird das komplexe Gewirr dann auch noch zusätzlich, weil Jake sich plötzlich als Spielball zweier Supermächte empfindet, die beide bereits der neuen Zeit verpflichtet sind und die Vergangenheit nur noch eine untergeordnete Rolle spielt...
"The Good German" wurde sehr zwiespältig aufgenommen. Man lobte zwar fast einhellig die perfekten und stilvollen schwarz-weiss-Bilder, die hervorragenden Kulissen und den oscarnominierten Score von Thomas Newman.
Viele Kritiker empfanden allerdings die Story zu vertrackt und langweilig und die Figuren so künstlich. Man empfand, dass Soderberghs Wahn nach Authentizität irgendwann das Gegenteil bewirkt. Die Figuren so blutleer, wie in einem Cartoon.
Einwände, die man beim Schauen alle irgendwie nachempfinden kann.
Allerdings komme ich dann doch zu einem anderen Urteil: Mich stört dieser künstliche Stil nicht, weil viel mehr auf der Positivliste steht.
Eine zwar konstruierte, aber auch herrlich undurchsichtige Geschichte, die tatsächlich viele Erinnerung an das 40er Jahre Kino hervorrufen, aber durchaus positiv, wenn man den Film als Kunstwerk mit einer gewissen Distanz betrachtet.
Vor allem im Schlußteil legt der Film ordentlich zu und hat einige sehr packende Sequenzen.
Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist die Besetzung des "Helden" mit George Clooney, denn er wirkt irgendwie blass und vielleicht hätte da ein Zyniker im Stil von Bogart ganz gut getan.
Für mich ist "Good German" durchaus eine positive Entdeckung, er ist zwar nicht durchgehend so atmosphärisch gelungen wie Lars von Tries Sicht auf das Nachkriegsdeutschland im Jahr 1946 in dem brillianten "Europa", der ebenfalls ein Komplott konstruiert und dem auch eine gewisse Künstlichkeit anhaftet. Aber als Retro und Hommage ist Soderberghs Film sehr gelungen. Immerhin hatte der Director ja auch schon Erfahrung mit dem Inszenieren eines stilvollen S/W Films, in guter Erinnerung bleibt sein für mich sein neben "Traffic" bester Film, der düstere "Kafka"....
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
.jpg)



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen