Samstag, 8. Dezember 2012
22 Bullets
Regie: Richard Berry
Auge um Auge...
Ein Vater fährt gemeinsam mit seinem kleinen Sohn und dem Hund an einem besonders sonnigen Tag an der südfranzösischen Küste entlang, Richtung Marseille. Im Player läuft die Arie "E lucevan le stelle i" aus der Oper "Tosca" von Pucccini. Diese Arie handelt von der Vorbereitung auf den Tod, die erfüllt ist von der Liebe zum Leben.
In Marseille angekommen darf der Sohn aussteigen während sein Vater Charly Mattei (Jean Reno) den Wagen in einer Tiefgarage parkt. Als er aus dem Auto aussteigt wird er von einer Vielzahl vermummter Männer mit 22 Kugeln niederschossen. Er überlebt allerdings mit diesen vielen Kugeln im Leib. Auf dem Weg zum Krankenhaus kommen bei dem Todgeweihten Erinnerungen auf. Es sind die Erinnerungen an sein Leben und auch an seine beiden besten Freunde.
Da wäre einmal Anwalt Martin Beaudinard (Jean Pierre Darroussin) und vor allem Tony Zacchia (Kad Merad), der Mattei jahrelang begleitet haben.
Alle drei ganz oben bei der Mafia. Nur Charly Mattei, einstmal Pate des Clans, stieg vor 3 Jahren reich und vermögend aus. Er wollte sein Leben ändern und nur noch für seine Familie da sein.
Der Grund für das massakerhafte Attentat ist schnell gefunden.
Zaccia, jetziger Alleinherrscher, will ins Drogengeschäft einsteigen, hatte aber die Bedenken, dass der moralischere Mattei, für den der Drogenhandel in seiner aktiven Zeit ein völliges Tabu war, ihm diese neue Geschäftsquellen übel nimmt und möglicherweise nicht nur ins Geschäft zurückkehrt, sondern ihn sogar ausschalten will.
Im Hochhalten der Familie ist Zacchia ähnlich gelagert als Mattei. Es gibt nichts heiligeres als den Zusammenhalt der Familie.
Mattei bekommt im Krankenhaus sehr schnell heraus, wer hinter dem Attentat steckt und er hat vor die 7 Schützen inklusive Auftraggeber alle zu richten.
Allerdings ist auch die Polizistin Marie Goldman (Marina Fois) schwer am ermitteln. Die Frau hat ein persönliches Interesse an beiden Mafiaikonen, da einer davon wohl auch ihren Ehemann, ebenfalls Bulle, vor einigen Jahren killen liess...
Richard Berry drehte "22 Bullets" im gewohnten Stil französischer Mafiathriller und hat mit Jean Reno als tragischer Held und mit Kad Merad einen ebenbürtigen Schurken zwei Figuren zu bieten, bei denen der Film noch mehr Spass macht.
Jean Reno ist eh dieser Nachfolger von Leinwandikonen wie Jean Gabin oder Lino Ventura, die das Genre damals so sehr bereichert haben, weil sie diesen durch und durch glaubwürdigen und charismatischen Einzelgänger verkörpern.
Und Kad Merad, vornehmlich auf Comedy spezialisiert, erinnert durch diesen unerwarteten Rollentausch an Komiker Bourvil, der von Jean Pierre Melville in "4 im roten Kreis" auch völlig überraschend fernab von seinem festgelegten Image besetzt wurde.
Die Story ist eigentlich eher konventionell, doch Richard Berry treibt die gängigen Klischees der Rachestory immer wieder auf die Spitze, überzeichnet diese mit einem sowohl moralischen als auch recht pervers agierenden Rächers. Jean Reno tötet nämlich mit System und vor allem langsam, der Reihe nach. Gezielt um seinen Feinden auch das Höchstmaß an Furcht zu lehren.
Der Film ist klug, vielschichtig und elegant geschnitten, erzählt abwechselnd auf drei Ebenen und behält das Motiv "Oper" aus der Eingangsszene im Grunde bis zum Schluß bei. Die Racheorgie findet auf der Bühne statt, der Zuschauer freut sich an der großen Oper und an der clever inszenierten Choreographie des Todesballetts.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.
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