Regie: Francois Ozon
Plötzlicher Verlust und Phantomschmerzen...
Wenn in den nächsten Tagen und Wochen die ersten Listen der Top 100 Dekaden Filme auftauchen, dann dürfte auch Francois Ozon gute Chancen haben weit oben angesiedelt zu sein:
"Unter dem Sand" wurde im Jahr 2000 realisiert, also noch etwas vor Ozons Druchbruch mit "8 Frauen" und "Swimming Pool".
Vielleicht ist aber dieser Geheimtipp, die Geschichte einer Frau in mittleren Jahren, die langsam aber sicher den Boden der Realität verliert, neben "Ein kriminelles Paar" sein bester Film.
Es ist Sommer. Marie (Charlotte Rampling) und Jean (Bruno Cremer) fahren mit ihrem Auto zum Ferienhaus ans Meer. Das verheiratete Paar strahlt Harmonie aus, nach 25 Jahren gemeinsamen Lebens braucht es keine grossen Worte um grösste Vertrautheit zu haben.
Am Abend der Ankunft geniessen die Beiden ein einfaches Essen und einen Wein, am anderen Tag wollen sie an den Strand.
Dort wird der noch kurze Urlaub zum grössten Albtraum für Marie. Jean geht schwimmen und kehrt nicht mehr zurück.
Voller Panik alarmiert sie die Polizei, die Suche nach Jean bleibt erfolglos.
Wochen später in Paris: Noch immer gilt Jean als vermisst, wahrscheinlich ist er sogar tot. Aber Marie kommt mit dem Verlust nicht zurecht, sie weigert sich sogar das Verschwinden des Mannes zu akzeptieren. So sieht man sie an einem Tisch mit Freunden sitzend, wie sie über Jean spricht, als sein nichts passiert. Die Verdrängung hat die Verzweiflung abgelöst.
Unweigerlich bekommt diese Illusion bald die ersten Risse...
Ein Film über Trauer, mit einer immer noch schönen und verletzbaren Charlotte Rampling. Ozon inszenierte ruhig und völlig unspektakulär, den Machern hinter der Kamera, Antoine Heberle und Jeanne Lapoirie, gelingen spröde aber sehr schöne melancholische Bilder. Sie zeigen eine Figur, die zwischen der Wirklichkeit und Phantasie wandelt. Gelegentlich treffen die Ereignisse, die tatsächlich geschehen, so wuchtig in dieses Traumbild ein, dass phasenweise sogar ein Hauch von Suspence aufkommt.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.




Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen