Samstag, 8. Dezember 2012

Aftershock



Regie: Feng Xiaogang

Die Erde bebt...

1976, China im Hochsommer: Ein riesengroßer Insektenschwarm durchquert die Industriestadt Tangshan in der Provinz Hebei. Am Abend dieses 28. Juli 1976 erschütterte dann um 03:42 Ortszeit ein gewaltiges Erdbeben die Millionestadt. Laut offiziellen Angaben sterben beim Beben über 240.000 Einwohner der Stadt, während in der gesamten Region auch durch starke Nachbeben die Opferzahl auf 650.000 anstieg.
Mit dieser Anzahl von Todesopfern ging es als das verheerendste Erdbeben des 20. Jahrhunderts in die Geschichte ein.
Das Beben, das sein Epizentrum 20 km südwestlich von Tangshan hatte und dessen Herd 22 Kilometer unter der Oberfläche lag, führte auch im ca. 140 km entfernten Peking zu Schäden. Insgesamt wurden auf einen Schlag 5,3 Millionen Häuser unbewohnbar.
An das Erdbeben erinnert heute eine riesige Tafel der Opfer auf dem Hauptplatz im Zentrum der Stadt, gleichzeitig auch eines der Schlußbilder des monumentalen "Aftershock", indem einer der Hinterbliebenen gezeigt wird, der vor dieser gewaltigen Tafel steht und seine verstorbenen Angehörigen betrauert.
"Aftershock" beschäftigt sich nur ca. 10 Minuten direkt mit der Katastrophe und erzählt in der Folgezeit die traumatischen Auswirkungen, die dieses Ereignis auf eine junge Familie hatte.
Li Yuanni (Fan Xu) lebt zusammen mit ihrem Mann Fang Daqiang (Guoqiang Zhang) und ihrem Zwillingspärchen Fang Da (Jiajun Zhang) und Fang Deng (Zi-Feng Zhang) in Tangshan. Ohne Vorwarnung fängt eines Nachts fängt die Erde an zu beben. Die Eltern, die sich noch draussen auf dem großen Vorplatz ihrer Wohnblocks aufhalten, versuchen verzweifelt und voller Panik die bereits zu Bett gegangenen Kinder aus dem zusammenstürzenden Haus zu retten, dabei wird der Vater selbst unter den Trümmern begraben wird. Wie durch ein Wunder überleben die beiden Kinder, doch Li Yuanni muss feststellen, dass beide unter den Trümmern des Hauses liegen und eine riesige Steinplatte, die auf beiden Kindern liegt, das Herausziehen unmöglich macht. Die Rettungsmannschaft gibt der verzweifelten Mutter zu verstehen, dass die Bergung nur ein Leben retten kann, da die Platte nur an einer Seite hochgehoben werden kann und dadurch das andere Kind getötet wird. Die Mutter will diese Entscheidung nicht fällen, aber als sie befürchtet, dass die Retter sehr schnell weiter müssen, entscheidet sie sich schweren Herzens zu dem Satz "Rettet meinen sohn".
Dieser überlebt dann auch tatsächlich, das scheinbar tote Mädchen wird zu den zahlreichen Leichen gelegt.
Doch das Mädchen überlebt, kommt bei liebevollen Parteimitgliedern unter. Dieses kinderlose Ehepaar Herr Wang (Chen Dooming) und Frau (Chen Jin) apotiert die stumme Kleine Deng.
Jahre vergehen, weitere Episoden zeigen das Aufwachsen der beiden Kinder in den 80ern und den 90ern, Deng (Zhang Jingchu) studiert Medizin und kann sich vermutlich nicht mehr an die Katastrophe und an ihre Angehörigen erinnern.
Der junge Fang Da (Li Chen) hat es trotz verkrüppelter Hände geschafft ein nromales Leben zu gestalten.
Erst im vergangenen 00er Jahrzehnt wird vom Schicksal noch einmal eine Möglichkeit der Familienzusammenführung geboten...

"Afershock" bietet auf dem DVD Cover den Film völlig falsch an, denn dieser ultimative Katastrophenfilm ist vor allem ein Drama über die Folgen dieser Katastrophe. Es gibt dann auch nur 10 Minuten Special Effects, alles weitere wird von den Schauspielerin und der rührenden Geschichte getragen.
Dabei ist diese Geschichte einfach erzählt, schwelgt aber in der Liga breiter Filmepen und wäre der Film aus den USA, dann wäre diese Art von Aufbereitung ein heisses Oscarthema.
Regie führte der durch "The Banquet" bekannt gewordene Feng Xiaogang, der für diesen Film ein Budget von knapp 25 Millionen Dollar zur Verfügung hatte. Dies wurde vor allem in die möglichst authentische Darstellung der Katastrophe am Anfang des Films gesteckt.
Dann nimmt Xiaogang den Zuschauer an die Hand und führt ihm die Folgeerscheinungen einer solchen Katastrophe aus der Sicht der Überlebenden. Diese werden für immer traumatisiert sein, auch wenn sie irgendwann mit den Narben dieser Ereignisse weiterleben und versuchen das Beste daraus zu machen. Doch auch Narben können immer wieder aufbrechen.
Feng Xiaogang ist ingesamt etwas gelungen, was man schon "Großes Kino" nennen kann. Das Werk ist imposant und gewaltig, vor allem in der Aufbereitung der gefühlsmässigen Ebene, die aufgezeigt wird.
Ein Melodram, dass als Tränendrücker fungieren kann, auch wenn alles insgesamt sehr einfach gestrickt bleibt und auch nur die Oberfläche publikumsgerecht ankratzt.
Ein bisschen schwingt auch eine Art Propaganda Touch mit, die Einheit und der Zusammenhalt der Chinesen wird immer mal wieder kräftig untermauert.

Bewertung: 5 von 10 Punkten.

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