Mittwoch, 5. Dezember 2012

Disturbia


























Regie: D.J. Caruso

Neugierige Nase...

Wer kennt ihn nicht, den grossen Hitchcock Klassiker "Rear Window", wo der Pressefotograf Jeff durch einen Beinbruch an der Rollstuhl gefesselt ist, über Wochen lediglich von Haushälterin Stella und seiner reichen Freundin Lisa Besuch bekommt und durchs viele Rumsitzen und Nichtstun auf den Gedanken kommt mit dem Fernglas immer mehr neugierig in die Nachbarfenster zu glotzen. Ohne zu ahnen, dass man in eines dieser Fenster lieber nicht geschaut hätte, schliesslich geschehen Verbrechen überall...
1954 gelang Hitchchock und seinem Traumpaar James Stewart und Grace Kelly ein Welterfolg, der heute noch zum Kino-Olymp gezählt wird.
Die Story selbst ist so gut, dass sie sich natürlich für eine Neuverfilmung anbietet und deshalb gab es schon einige Versuche. Aber selbst wenn wir annehmen würden, dass zwei Hollywood Hochkaräter den Part übernehmen würden, das Original ist eine heilige Kuh und ein Remake hätte im Erwachsenenkino und unter Cineasten - egal mit welchen attraktiven Zutaten - immer das Nachsehen.
Deshalb ist "Disturbia" in seinen Abwandllungstendenzen schon alleine in Punkto "Zielgruppe" überaus raffiniert gewählt: Der Film richtet sich nämlich in allererster Linie an ein Teeniepublikum, die mit ihrem Schwarm ins Autokino gehen, auch um mal ein bisschen knutschen zu können.
Und dieses Publikum ist höchstwahrscheinlich auch unvorbelastet wegen dem überlebensgrossen Original, vermutlich sie es gar nicht.


Natürlich werden auch die Filmhelden verjüngt, statt einem Mittvierziger wie Stewart taucht Newcomer Shia LaBeouf als unser Held Kale Brecht auf, den wir bereits aus "Constantine", "Transformers" und nicht zuletzt aus "Indiana Jones" kennen..er ist eine Entdeckung von Spielberg. Und auch wenn Shia vielleicht kein begnadeter Schauspieler ist, er ist aber eine gute Type, mit Ecken und Kanten. Somit ein Glücksgriff für dieses kleine Thriller-Remake, dass darüberhinaus noch mit einem extrem eindrucksvollen Product Placement aufwarten kann...so sehen wir in der Kategorie "supporting" ziemlich zielgerichtet von der Kamera eingefangen auch Mobiltelefone, HD-Glotze, Camcorder, Playstation, Portable Media Players...natürlich alle trendgerechten Marken, die man haben muss und auch die Getränkeauswahl unseres Helden ist angesagt und bekannt.
Muss jetzt nicht störend sein, aber auffallen tut es halt.
Die Story selbst wurde natürlich jugendlich erfrischend abgeändert, denn Shia muss dramaturgisch im Lauf der Geschichte etwas mobiler agieren können, etwas was Stewart nicht konnte. Wie dann trotzdem nur mit beschränktem Radius reagieren ? So bekommt er kurzerhand eine Fussfessel und Hausarrest von einem milden Richter verpasst, weil er seinen Lehrer geschlagen hat. Seit dem trangischen Tod des Vaters bei einem spektakulären Autounfall ist der Junge nämlich drauf und dran langsam aber sicher negativ abzudriften...
Was positiv überrascht ist der Spannungsbogen, der sinnigerweise vom klasse Original übernommen wurde, also langsame Steigerung der Geschichte, die dann immer aufregener wird.
Zwei Logikfehler wird man bemerken, sie sind allerdings zu verschmerzen und kamen im Original nicht vor. Die Figur des Bösen ist markant und auch recht bedrohlich, hier punktet der Film. "Disturbia" muss natürlich an einigen Stellen - anders wie das Original - diesen subtilen Suspence aufgeben und in einigen Szenen effektiver und grobschlächtiger vorgehen. Es bleibt aber bis zum Schluss ein spannender Unterhaltungsfilm gewahrt, der sicherlich für einen geglückten DVD-Abend geeignet ist.
Als Mutter von Shia tritt Carrie Ann Moss auf, die grade eben noch vor ein paar Jährchen in "Matrix" selbst Kinoikone für das junge Publikum war, jetzt spielt sie schon die spielverderbende Mami, die ihrem Sohn das Spielkonsolen- und Musikdownloadkonto kündigt. Kinder, sind wir alt geworden....


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen