Freitag, 7. Dezember 2012

Gosford Park


























Regie: Robert Altman

Mord in Howards End, was vom Zimmer mit Aussicht übrigblieb

Sperrige Kost....ich brauchte insgesamt 4 Anläufe, den Film bis zum Ende anzuschauen.
Wurde aber belohnt....
Ich denke es hing damit zusammen, dass die propagierte Inhaltsangabe ganz andere Erwartungen weckt - man denkt an Agatha Christie, vielleicht sogar an Miss Marple, an eine spannende Mördersuche...da wird man enttäuscht.
Wenn man sich aber mental auf einen Ivory-Film mit viel englischem Flair eisntellt, die "gute" alte Zeit der verschiedenen Stände- und Klassengesellschaft im spiessigen England Anfangs des letzten Jahrhunderts vorstellt...dann endlich ist man im Gosford Park gelandet und kann dem Treiben vergnügt folgen. Aussattung und Kamera sind erste Sahne.
Da findet ein Gesellschaftsempfang statt und wir beobachten das Treiben dieser dekadenten Oberschicht, sitzen aber auch mit den vielen Dienstboten zusammen.
Der Film besticht durch eine wahrlich geniale Ausstattung, alles wirkt authentisch und die von Altman inszenierten Kamerafahrten durch die Korridore und Zimmer, die ständigen Szenenwechsel haben den Effekt, dass man mittendrin im Geschehen ist.
Es soll ein Mord passieren....aber fast 90 Minuten tut sich nichts - ausser Streit, Dekadenz, Fasanenjagd, Dienstbotenregeln. Dann wird der Hausherr doch noch ermordet, sogar zweimal. Der zweite Täter rammt ihm das vorher schon von der aufmerksamen dafür zuständigen Bediensteten vermisste Küchenmesser in die Brust. Da war der Despot aber schon tot, ein Giftmischer war schneller.
Scotland Yard hat dann noch ne halbe Stunde Zeit (so lange dauert der Film noch) das Verbrechen aufzuklären....auch hier fehlt dann der Scharfsinn eines Hercule Poirots, denn den Inspektor interessiert es gar nicht so sonderlich, das Verbrechen aufzuklären. Wird es überhaupt aufgeklärt ?


Wenn man den Plot kennt, dann hofft man natürlich, dass der Fall unaufgeklärt bleibt.
Tatsächlich ist der Plot das Salz in der Suppe des Films.
Es ist einer dieser Filme, die eben durch die Gesamtheit bzw. erst durch die Schlußsequenz eine positive Einschätzung erhalten.
Also das Aushalten von 100 Minuten geschwätzigen britischen Lifestyles der damaligen Zeit wird belohnt.
Wenn man den Plot kennt, dann erfahren viele vorher gezeigte Szenen (mit denen man vielleicht sogar Mühe hatte sie einzuordnen) eine ganz andere vielschichtigere Bedeutung.
Helen Mirren hat da eine geniale Rolle erwischt, sie spielt mit Bravour in oscarverdächtigen Regionen des Anthony Hopkins als perfekter Diener im Film "Was vom Tage übrigblieb" - auch wenn es hier nur eine Nebenrolle ist.
Man muss aber auch Maggie Smith hervorheben, die wie keine zweite diesen Typus der unselbständigen Dame spielt, die immer nach ihrer Zofe schreit und den lieben langen Tag nichts anderes macht, als mit gewählter und angemessener Rhetorik und Etikette ihre Mitmenschen bis aufs Äusserste zu verletzen.

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen