Donnerstag, 6. Dezember 2012

Goyas Geister






















Regie: Milos Forman

Unterschätzt, dennoch kein Meisterwerk

In Milos Forman Filmographie befinden sich zwei über jeden Zweifel erhabene Welterfolge "Amadeus" und "Einer flog übers Kuckucksnest". Vielen seiner Filme blieb allerdings auch der grosse Publikumserfolg verwehrt, sie waren aber meistens Lieblinge der Kritik und nicht selten waren es Kostüm- oder Ausstattungsfilme "Valmont" oder "Ragtime" und in diese unterschätzte Kategorie fällt auch "Goyas Geister", der recht wenig Beachtung im Kino fand.
Fast zeitgleich kam dieser Film über das letzte Aufbäumen der Inquisition in Spanien (Ende des 18. Jahrhunderts) mit einem weiteren Historienfilm in unsere Kinos, gemeint ist Tykwers "Parfum", daher wurden beide Arbeiten miteinander verglichen und interessanterweise schnitt das Werk des Altmeisters Forman bei der Kritik wesentlich besser ab als der zum Blockbuster avancierte Film des deutschen Nachwuchsregisseurs.
Da ich beide Filme jetzt gesehen habe, möchte ich dem Urteil der Kritik widersprechen, ich finde "das Parfum" doch packender, sowohl in der Story als auch in der Bebilderung.
Trotzdem ist "Goyas Geister" ein guter, allerdings kein sehr guter Film geworden.

Die Hauptfigur Goya (Stellan Skarsgard) bleibt leider durchgehend sehr blass. Was aufgrund der schauspielerischen Möglichkeiten des angesehenen schwedischen Schauspielers dann doch überrascht, dafür gelingt es aber einem grandios aufspielenden, dämonisch wirkenden Javier Bardem den Film schauspielerisch fast im Alleingang zu tragen.
Er zeigt sehr beeindruckend die Wandlung eines gottesfürchtigen Geistlichen bis hin zum Atheisten, der sich lediglich in einem nicht gewandelt hat: Er bleibt bis zuletzt ein innerlich zerissener, aber enthusiastischer Vollstrecker.
Goya ist der Maler am Hof des spanischen Königs Karl IV und Königin Maria Luisa. Die königliche Familie lässt sich in beklemmender Hässlichkeit vom Maestro malen, während die französische Revolution die Herrschaftshäuser Europas in Angst und Schrecken versetzt. Deshalb ruft Karl die Heilige Inquisition, die bis zu dieser Zeit immer mehr an Bedeutung verlor, um Hilfe.
In dem Moment stehen auch Goyas provozierende Kupferstichkarikaturen im Visier der wieder erstarkten Kirche. Auf Anraten des geheimnisvollen und einflussreichen Mönchs Lorenzo (Javier Bardem) werden die alten Foltermethoden der Inquisition wieder eingeführt.
Die junge Bürgerstochter Ines (Natalie Portman), Muse des Malers wird im Zuge dieser gross angelegten Hexenjagd fälschlicherweise der Häresie angeklagt, sie wird verhaftet..es erwartet sie die Folter. Ihre Familie ist verzweifelt...
Der Film zeigt mit dieser Ausgangslage das Schicksal der drei Hauptpersonen, ihre starken Verbindungen zueinander und stellt neben diesen Schicksalen die Zeit, in der sie leben vor. Es wird daher kaum überraschen, dass die mächtige französische Revolution, die zeitgleich tobt, auch Spanien beeinflussen wird. Genauso wie es ein Napoleon 15 Jahre später vermag.
In dieser geschichtlichen Betrachtung ist der Film sehr gelungen, er schwächelt allerdings in der zweiten Hälfte an seinem Hang die Schicksale an manchen Passagen in etwas zu melodramatischen Kostümkitsch zu zwängen.

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten

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