Freitag, 7. Dezember 2012

Grizzly Man

























Regie: Werner Herzog

Mein Freund, der Bär...

Neben seinen bekannten wie preisgekrönten Spielfilmen wie Aguirre, Fitzcarraldo, Woyzeck, Nosferatu oder Kaspar Hauser drehte Werner Herzog auch zahlreiche dokumentarische Arbeiten.
Nach Cobra Verde drehte er nur noch wenige Spielfilme, jedoch sehr viele Dokumentarfilme. Der bekannteste davon ist vielleicht "Mein liebster Feind", der über das schwierige Regisseur-Darsteller-Verhältnis zwischen ihm und Klaus Kinski berichtet.
Aber auch "Gasherbrum - der leuchtende Berg", der von der Doppel-8000er-Besteigung von Reinhold Messner und Hans Kammerlander handelt, wurde hoch gelobt.
Interessanterweise verweigert sich Herzog der konventionellen Anschauungsweise, dass in den Dokumentationen Kameras Authentizität reproduzieren könnten. Deshalb sind seine dokumentarischen Arbeiten bewusst mit der eigenen Perspektive auf den Gegenstand bezogen. Somit wird Herzogs Perspektive und auch Ansicht Teil der gezeigten Bildes.
"Grizzly Man" aus dem Jahr 2005 ist eine Dokumentation über den Tierschützer Timothy Treadwell, der dreizehn Jahre lang jeden Sommer mit Grizzlybären in Alaska zusammen lebte. Anfang Oktober 2003 wurde Treadwell und seine Freundin Amie Huguenard, die ihn die letzten beiden Male begleitete, von einem hungrigen Bären angegriffen und getötet.


Seine Überzeugung war, dass er die Tiere persönlich schützen müsse. Er lernte Stück für Stück die Verhaltensweisen, Gesten und Gepflogenheiten der braunen Riesen und konnte mehr und mehr in unmittelbarer Nähe mit einem der gefährlichsten Raubtiere der Welt zusammen leben. Waffen oder andere Schutzmaßnahmen wie Pfefferspray lehnte er ab. Sein ständiger Begleiter war die Video-Kamera, damit hielt er grandiose Naturaufnahmen der Tiere im Katmai-Nationalpark in Alaska fest.
Er gründete 1991 die Organisation Grizzly People, die sich für den Schutz der Grizzlybären und die Erhaltung ihres natürlichen Lebensraumes einsetzt. Sein Buch "Among Grizzlies" erschien 1997. Im Winter jobbte er meistens als Kellner in Kalifornien. Es gelang ihm noch zu Lebzeiten eine breitere Öffentlichkeit für sein Anliegen aufmerksam zu machen.
Doch er hatte auch zahlreiche Kritiker, die sein Tun und seine Einstellung gegenüber den Bären kritischer und als sehr gefährlich beurteilten. Selbst von Tierschützern wurde bemerkt, dass Treatwell unsichtbare Grenzen zwischen Mensch und Tier ignorierte und somit grundlegende Regeln im Umgang mit Raubtieren absichtlich brach.
Zu dieser Einschätzung tendiert auch Werner Herzog in seinen Kommentaren. Nichtsdestotrotz ist "Grizzly Man" beeindruckend schön mit seinen Naturaufnahmen und mit Mensch und Tier als Freund. Selbst wenn es eine 13jahre andauernde Illusion gewesen sein sollte. Er gab jedem Tier einen Namen und ständige Begleiter waren eine Fuchsfamilie, neben denen er oft am Abend einschlief und am Morgen aufwachte.
"Grizzly Man" bekam großartige Kritiken und so verwundert es auch nicht, dass dieser ungewöhnliche Dokumentarfilm nicht nur zahlreiche Preise gewinnen konnte, sondern auf vielen Bestenlisten über Filme des letzten Jahrzehnts ziemlich oben zu finden war.

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten

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