Freitag, 7. Dezember 2012

Paranoid Park

 

Regie: Gus van Sant

Zunehmende Isolation

Gus van Sant ist neben Larry Clark DER US-Regisseur in Sachen Portraits unangepasster Jugendlicher und junger, rebellischer Erwachsener. Während Clark zusätzlich ein sehr kaputtes Umfeld durch neue Gesellschaftstendenzen zeichnet, bleibt van Sant näher beim Protagonisten und erweist sich als sehr einfühlsamer Beobachter, der dem Zuschauer genügend Spielraum zubilligt, eigene Wahrnehmungen und Interpretationen zu machen.
"Paranoid Park" entstand 2007, also in einer längeren Zwischenphase seiner kommerziell erfolgreichsten und auch bei den Kritikern geschätzten Arbeiten, "Good Will Hunting" (1997) und "Milk" (2008).
In dieser Phase entstanden experimentierfreudige Arbeiten wie "Gerry" und auch seine bis dato beste Arbeit "Elephant", dem bedrückenden Film über ein Schulmassaker, der auch in Erinnerung bleibt wegen seiner langen, intensiven Kamerafahrten und dem unverstellten Spiel der Laiendarsteller.
Mit "Paranoid Park" setzt er seine Arbeit mit unverbrauchten Laiendarstellern fort, allerdings war das Thema "Junge Skater" denn auch weniger interessant für eine erfolgreiche Kinoauswertung.
Das Budget des Films betrug ungefähr 8 Millionen Dollar, das Einspielergebnis lag mit ca. 5 Millionen Dollar leider darunter.
Was schade ist, denn "Paranoid Park" ist ein sehr stimmungsvolles Portrait eines Jugendlichen geworden, der mit einer schwerwiegenden Schuld konfrontiert wird - inmitten seines sowieso schon chaotischem Teenage Life.
Alex (Gabe Nevis) ist ein Scheidungskind und wohnt mit seinem kleinen Bruder bei der Mutter, was unter seinen Freunden keine Besonderheit darstellt, denn funktionierende Familien sind selten geworden.
Seine Welt dreht sich ums Hobby Skaten, ums Abhängen mit Freunden wie Jared (Jake Miller) und Macy (Laureen McKinney), erste erotische Abenteuer mit Mädchen wie Jennifer (Taylor Momsen) und Schule.
Interessant für alle Skater in Portland, Oregon ist der berüchtigte Eastside Skate Park, von allen Jugendlichen "Paranoid Park" genannt und coolen Status geniesst. Dort treiben sich nicht nur Skater herum, die begeistert ihre Kunststücke auf dem Skateboard zelebrieren und für Sekunden eine Art Schwerelosigkeit erleben, sondern dieser Park ist auch Treffpunkt der Subkultur: Penner, Obdachlose, Kriminelle - alles ist vertreten.
Eines Tages wagt sich auch Alex in diesen Park und ist fasziniert von dieser Treff. Dort fühlt er eine gewisse Freiheit, die ihm der Alltag, der zweite Paranoid Park, nicht bietet. Am nahegelegenen Bahnhof springt er mit einem anderen Skater auf einen fahrenden Güterzug, als ein Sicherheitsbediensteter sie entdeckt und sie verfolgt, kommt es zu Gewalt, die in eine fatale Katastrophe mit wenig Auswegsmöglichkeiten mündet...

Gus van Sant erzählt seine Geschichte nicht linear. Einige Einstellungen  wiederholen sich in einer anderen Szene als Fragment oder Rückblende. Dazu sind einige Skaterszenen in Zeitlupenoptik oder aber in Super-8 gedreht. Dies vermittelt dem Film sowohl eine große Authentizität sowie eine gewisse Schwerelosigkeit beim Sport, während das Teenagerleben alles andere als schwerelos ist. Es dominiert ein gewisses Desinteresse, Empathie und Moralität sind zwar nicht gänzlich aufgehoben, aber versteckt nur schwer zu entdecken. Ein sehr aussergewöhnlicher und auch beeindruckender kleiner Independentfilm über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und über allgemeine Isolationstendenzen.
Für mich neben "Elephant" und "Private Idaho" Gus van Sants bester Film.  Herausragend auch der Soundtrack.

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

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