
Regie: Gregory Vigneron
Beichten befreit...
Macht, Prestige und Geld: Etienne Meurnier (Benoit Magimel) ist einer, der ziemlich steil die Karriereleiter hochgestiegen ist. Der Karrierist steht kurz davor den Generaldirektorposten einer erfolgreichen Industriefirma zu übernehmen, denn Maurice (Jean Marie Winling), der noch amtierende Boss geht bald in Rente.
Die Chemiefirma gehört inzwischen einer amerikanischen Multimillionärin. Die Zahlen fürs abschliessende Geschäftsjahr werden dann auch noch etwas aufgepeppt, auch wenn sie gut sind - kein Problem, es ist ja für die Familie, denn Maurice ist inzwischen auch Etiennes Schwiegervater.
Die Ehe mit Frau Clemence (Julie Gayet), die sich immer noch sehr stark an ihren Eltern orientiert, ist gut. Aber es fehlt der Nachwuchs, der immer noch auf sich warten lässt.
Doch Etienne hat ein dunkles Geheimnis, dass er bereits 15 Jahre mit sich herumträgt. Den damaligen Aufstieg in seiner Firma hat er dem skrupellosen Schachzug zu verdanken einem völlig unwissenden Erfinder eine Formel geklaut zu haben, die dieser der Firma als Referenz für eine Anstellung zugeschickt hat.
Von diesem Fehlverhalten weiss kein Mensch, aber immer noch nagt dieser Betrug. Immer mal wieder ruft er den Geschädigten anonym an, will ihm die Wahrheit sagen, es wieder gut machen, aber ohne Mut legt er den Hörer wieder auf.
An einem Bankomat trifft er nach 20 Jahren seinen ehemaligen Schulfreund Patrick Chammbon (Francois Xavier Dernaison) wieder, sie feiern die Wiedersehensfreude mit einem Drink und tatsächlich erleichtert Etienne sein Gewissen bei Patrick. Dieser gibt ihm den "guten" Rat, dass er den Erfinder der Formel doch einfach besuchen soll, ihm seinen Fehler gestehen muss und alles würde sich in Wohlgefallen auflösen. Doch dieser Ratschlag ist der Beginn einer sich anbahnenden Katastrophe...
Grégoire Vignerons "Spurlos" von 2010 ist ein eleganter Suspencethriller, der mit einigen unerwartetenden Wendungen daherkommt und den Protagonisten immer mehr in auswegslose Situationen bugsiert, je mehr er aktiv wird.
Allerdings dient diese sich immer weiter zuspitzende Extremsituation (denn irgendwann geht es um einen Mord) auch ein bisschen als Katharsis und möglicherweise auch als Chance für die Stärkung seiner Ehe.
Benoit Magimels Spiel ist etwas unterkühlt und verleiht dem Film zusätzlich ein bisschen Künstlichkeit, die allerdings sehr gut zu den Büroräumen dieser Chefetage passt. Er ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, denn seine Figur ist sich immer selbst der nächste und er versucht sich auch immer wieder durch "Deals" aus der Affäre zu ziehen - daher ist das Ende des Films vielleicht auch ein bisschen die eigentliche Schwachstelle des ansonsten unterhaltsamen Thrillers, denn da hätte man sich etwas weniger "Glück" und etwas mehr Bosheit gewünscht.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.



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