Samstag, 8. Dezember 2012

127 Hours

 

Regie: Danny Boyle

Gefangen und verletzt in einer Felsspalte...

Aron Lee Ralston wurde am 27. Oktober 1975 in Indianapolis geboren. Im Alter von 28 Jahren ging das Schicksal dieses amerikanischen Bergsteigers weltweit durch die Medien, denn der Mann sorgte wegen einer selbst ausgeführte Amputation seiner Hand für Schlagzeilen.
Ralston hatte für sich das Ziel gesetzt, alle 59 Viertausender in Colorado im Alleingang zu besteigen und zu bezwingen.
Seine für viele Menschen schwer nachvollziehbare Tat und sein unerschütterlicher Überlebensdrang brachten ihm nebst zahlreichen Artikeln in Magazinen und Zeitungen auch einen Gastauftritt in der David Letterman-Show ein. Das Magazin "Gentlemen's Quarterly" kürte ihn sogar zum Mann des Jahres 2003.
2010 verfilmte Regisseur Danny Boyle (Sunshine, Slumdog Millionaire) in "127 Hours" diese bewegende Unfall-Geschichte. In der Rolle des Aron Lee Ralston bewegt James Franco:
Es ist Freitag, der 25. April 2003. An diesem Tag bricht der selbsternannte Abenteurer Aron Ralston allein zu einer Wanderung in den Blue John Canyon in Utah auf. Erst per Auto, dann mit dem Fahrrad und schlussendlich zu Fuß führt sein Weg quer durch die einsames Land und Wüste. Der junge Mann sucht schon immer die große Freiheit, den ultimativen Kick und eine immer größere Herausforderung. So hat er auch keinem erzählt, wo er dieses Wochenende auf Wanderung ist. Auf seinem Weg durch dieses wunderschöne Gebirge, trifft er zufällig die beiden Wanderinnen Kristi (Kate Mara) und Megan (Amber Tamblyn), die sich verirrt haben.
Als erfahrener Wanderprofi gibt er den Mädels Tipps und zeigt ihnen die schönsten versteckten Insiderfleckchen in dem zerfurchten Gebiet.
Die drei baden vergnügt in einem Gebirgssee und es folgt beim Abschied sogar eine Einladung an Megans Party, die am Samstag stattfinden soll.
Dann ist Aron wieder alleine mit sich und der Natur. Nach einer kleinen Klettereinlage, passiert das unfassbare Unglück. Es löst sich ein Felsbrocken, der ihm den rechten Arm zertrümmert und einklemmt.
Somit steckt er gefangen in einer tiefen Felsspalte fest, so tief, dass ihn keiner hören könnte. Es wäre aber auch so nicht sehr wahrscheinlich, dass dort reger Wanderungsverkehr herrscht.
Er hat ein schlechtes Taschenmesser made in China bei sich, dass sich beim Zerkleinern des Felsbrockens als miserables Produkt erweist.
Ein selbstgebauter Flaschenzug hat durch die Benutzung von Karabinern statt Umlenkrollen zu viel Kraftverlust im System, so dass dies nicht die gewünschte Wirkung erzielt.
Was bleibt ist 1 Liter Wasser, etwas Reiseproviant und mit jeder Stunde weniger Hoffnung auf Rettung. Aron zeichnet mit dem Camcorder jeden Tag ein bisschen Gemütszustand auf, die Lage erscheint immer brenzliger.
Gefangen in dieser aussichtslosen Situation erinnert er sich an Freunde, an seine Geliebte (Clémence Poésy), an die Familie...während er mit den Elementen und mit seinen eigenen Dämonen kämpfen muss. Einzige Gefährten sind Ameisen, Käfer oder ein Falke, der jeden Morgen oben am blauen Himmel auftaucht.

Danny Boyles Film handelt vom Drama eines kleinen Wesens inmitten der gr0ßen erbarmungslosen Natur, es ist das Drama einer Biene, die in eine Limonade fällt oder das einer kleinen, lästigen Fliege, die auf dem Leim zappelt. Boyle schafft es dieses auswegslose Szenario beklemmend darzustellen wie auch die Sichtweise auf das halluzinierte, innere Kind Ralstons. James Francos Verdienst ist es, dass diese Wirkung auch erzielt wurde, er erhielt für seine Darstellung sogar eine der begehrten Oscar Nominierungen.
Anonsten muss natürlich so eine minimalistische Story für einen 90 Minuten Film etwas aufgemotzt werden, so gestaltet Boyle auch eine visuelle Achterbahnfahrt mit viel knalligen Split Screen Szenen, einer ebenso knalligen Musicuntermalung und einem anfangs recht rasanten FeelGoodTempo, dass erst durch diesen einen Moment des Unglücks plötzlich jäh beendet wird.
Wunderschöne Bilder (Anthony Dod Mantle/Enrique Chediac) stehen im Kontrast des Unglücks, dass gerade dort in der wunderschönen Natur, stattfindet

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

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