Samstag, 8. Dezember 2012

Ben X



Regie: Nic Balthazar

Ein Aussenseiter...

Der Jugendliche Ben (Greg Timmermans) hockt jeden Tag vor seinem PC und taucht dort in die Welten des Online Rollenspiels Archlord ein, dort in dieser anderen Welt ist er ein großer Held, der auf seinem Pferd durch die Gegend reitet und böse Feinde ausschaltet und die Prinzessin für sich gewinnt. Er ist auf Level 80, denn er spielt es fast in jeder freinen Minute.
In der Realität siehts weniger gut aus.
Ben ist durch seine psychiatrische Krankheit ein Aussenseiter. Das Asperger Syndrom ist eine Störung des Autismusspektrums, es äusserst sich vor allem in Schwächen der sozialen Interaktion oder in der Kommunikation mit den Mitmenschen. Dazu kommen eingeschränkte und stereotype Aktivitäten und Interessen, das Gegenüber nimmt den Asperger-Autisten als "merkwürdig" wahr, da dieser große Mühe hat nonverbale und parasprachliche Signale beim Mitmenschen intuitiv zu erkennen, er kann diese Signale auch nicht erfolgreich aussenden.
Dieses Anderssein begleitet den jungen Ben schon sein Leben lang, er bietet sich vortrefflich als Zielscheibe oder Opfer seiner Mitschüler an. Besonders seine Mitschüler Desmet (Maarten Claeyssens) und Bogaert (Titus De Voogdt) schikanieren, hänseln und kränken ihn ohne Unterlass.
Besonders schlimm ist die Situation als die ganze Klasse ihn auf einen Tisch im Klassenzimmer stellen und ihm die Hose herunterziehen. Diese Kränkung wird natürlich von allen Schülern per Handy aufgenommen, denn sowas muss ins Netz. Die Mutter (Marike Pinoy) entdeckt die Aufnahmen, ist aber inzwischen völlig überfordert und hat Angst, dass Ben sich was antut. Dies muss sie auch, denn seiner Spielgefährtin Scarlite (Laura Verlinden) kündigt er das "Endgame" an. Auch das Mädchen macht sich Sorgen, um ihren Freund aus dem Internet und möchte ihn persönlich kennenlernen...

Ben X ist ein belgisch-niederländischer Spielfilm aus dem Jahr 2007, Regie führte Nic Balthazar.
Der Belgier wurde bei seiner Tätigkeit als Journalist auf einen Zeitungsbericht über den Selbstmord eines 17-jährigen leicht autistischen Jungen in Gent aufmerksam. Dieser Junge, der virtuell gemobbt und zu Tode gequält wurde, inspirierte den Regisseur zu der Geschichte von "Ben X".
Dabei ist es ihm gut gelungen eine erhöhte Sensibilität im Umgang mit dem Mitmenschen zu erzeugen. Betroffene werden sicherlich durch den Film, der mit einem überraschenden "Alternativ" Ende aufwartet, Kraft und Hoffnung schöpfen können, denn es gibt Auswege, die der Regisseur mit seiner Selbstbehauptungsvariante anbietet.
Mit rasanten Schnittfolgen und einer Collage aus Realfilm- und Onlinespielszenen thematisiert der Film eine Reihe wichtiger Themen auf: Mobbing, Selbstmord, Ignoranz sowie Flucht in künstliche Welten und Entfremdung der Menschen.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

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