Freitag, 7. Dezember 2012

Biester


























Regie: Claude Chabrol

Bösartige Freundinnen...

"An den ehrbaren Menschen stoßen mich viele Dinge ab. Und gewiss ist es nicht das Böse, das in ihnen ist"...Die stille Sophie (Sandrine Bonnaire) bewirbt sich als Hausmädchen bei der schwerreichen Catherine Lelievre (Jaqueline Bisset). Catherine stellt Sophie ein. Die Familie lebt auf einem stattlichen Anwesen ausserhalb eines kleines Dorfes in der Bretagne. Catherines Mann George (Jean-Pierre Cassel) verdient sein Geld als Fabrikant, Catherine selbst engagiert sich in einer Galerie und soll laut Gerüchten dort auch heimlich Liebhaber empfangen.
Tochter Melinda (Virginie Ledoyen), die aus Catherine erster Ehe stammt, studiert und kommt nur am Wochenende nach Hause.
Der gemeinsame verwöhnte Sohn Gilles (Valentin Merlet) ist vierzehn Jahre alt.
Die Familie liebt klassische Musik, vor allem Mozart.
Sophie ist fleissig und eine richtige Perle, hält aber ihre Dyslexie geheim, was einerseits Missverständnisse mit sich bringt: Die Lelievres drängen auf eine Brille, weil eine Sehschwäche vermutet wird und geben sich grosszügig. Brille und auch Führerschein zu Catherines Entlastung sollen bezahlt werden.
Sophie versucht sich in Geheimhaltung, das Offenbaren als Analphabetin wäre die reinste Kränkung.
Während die Familie für eine Woche Urlaub nach Korsika fliegt, befreundet sich Sophie mit der respektlosen Postangestellten Jeanne (Isabelle Huppert), die eine grosse Neugier für die reiche Familie an den Tag legt. George vermutet gar, dass Jeanne die Post der Familie heimlich öffnet...

Die beiden Frauen werden Freundinnen, denn beide verbindet auch ein ähnlich gelagertes böses Geheimnis in der Vergangenheit....
1995 realisierte Claude Chabrol "Biester", ein sehr typischer Chabrol Film, der sehr tief hinter die äußere Fassade der Menschen blickt, menschliche Abgründe seziert, ohne dabei zu urteilen oder zu moralisieren.
Das Drehbuch entstand nach einer Romanvorlage von Ruth Rendells Roman "A Judgment in Stone".
Chabrol inszeniert den schwelenden Klassen-Konflikt zwischen der Familie Lelievre einerseits und Jeanne und Sophie andererseits durch verschiedene Ereignisse, die schließlich am Ende zur grössten Katastrophe führen. Sophie und Jeanne sind zwei Aussenseiterinnen. Die Familie, die sich in ihrem Überfluss langweilt und den diskreten Charme der Bourgeoisie
ebenfalls durch Lügen und Geheimnisse, durch Arroganz und Grossherzigkeit aufrecht erhält, ruft Neid hervor.
Im Jahr 1996 gewann Isabell Huppert den César als Beste Schauspielerin für ihre Rolle der Jeanne. Nominiert war der Film in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Beste Schauspielerin für Sandrine Bonnaire, Beste Nebenrollen Jean Pierre Cassel und Jacqueline Bisset und Beste Drehbuch-Adaption.
Somit einer der erfolgreichsten Filme von Chabrol sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum.
Der Film ist fesselnd und tief, ein absolutes Meisterwerk - für mich einer der allerbesten Filme des französischen Meisterregisseurs. Er funktioniert auf mehreren Ebenen gleichermassen gut: Treffende intensive Charakterstudie, respektloser Klassenkampf mit sozialem Sprengstoff, Krimi, Thriller...am Ende sogar als ultimativer Horror und der Schlussplot befördert den Film noch in die obere Liga des Psychothriller-Genres mit ungeahntem Ende.

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

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