Samstag, 8. Dezember 2012

Der König tanzt






















Regie: Gerard Corbieau

Die Gunst des Sonnenkönigs...

Paris 1687: Angespannt wartet der Hofstaat von Versailles auf seine Majestät. Anlässlich der Genesung des Königs lässt dessen langjähriger Hofkomponist, Jean-Baptiste Lully (Boris Terral) seine dem König gewidmete Komposition "Te deum" aufführen. Doch der Thron des Regenten bleibt leer.
Der König wird nicht kommen. So tritt die Befürchtung ein, dass Lully die Gunst seines Souveräns für immer verloren hat. Er hämmert mit dem schweren Taktstock in den Holzboden als Signal für die Musiker, mit der Aufführung ohne den König zu beginnen. Aus bitterer Wut verfehlt er schon schon bei den ersten Schlägen den Boden, mit Wucht durchbohrt der Stock seinen Fuß.
Nun muss vielleicht sein Bein amputiert werden, er sinkt auf dem Krankenlager in einen Schlaf, die Bilder aus der Vergangenheit ziehen an ihm vorbei:
Im Jahr 1653 ist Louis XIV (Emil Tarding) erst 14 Jahre alt, als er den französischen Thron besteigt. Obwohl er noch so jung und unerfahren ist, erkennt er sehr bald, dass er sich erst gegen die alten Seilschaften am Hof durchsetzen muss, wenn er ein geachteter Regent und nicht eine Marionette seiner Mutter Königin Anna (Colette Emanuelle) werden will.
Seine große Leidenschaft gilit dem Tanz und dem Ballett.
Zu dieser Zeit ist der junge Florentiner Jean-Baptiste Lully bereits Tänzer und Komponist am Hof Ludwigs XIV. Doch der traditionsbewusste französische Hofstaat begegnet dem Italiener mit Feindseligkeit und Missgunst. Da jedoch der König selbst ein hervorragender Tänzer ist, erkennt dieser sehr schnell die künstlerischen Talente des Florentiniers, der ein abgöttische Liebe zu seinem König entwickeln wird.
9 Jahre später, im Jahre 1664 stirbt Kardinal Mazarin und es ist die Stunde für einen erstarkten Herrscher (Benoit Magimel), der endlich aus dem Schatten seiner machthungringen Mutter hinaustritt.
Auch die Künste haben Hochkonjunktur, das neue Genre des Comedi-ballet etabliert sich am Hof. Diese Kombination von komischem Dialog mit Musik und Tanz stammt von Moliere (Tcheky Karyo), der ab diesem Zeitpunkt mit Lully zusammenarbeitet. So wird auch die Politik mit der Unterhaltung verknüpft. Während der junge König vergnügt applaudiert, werden die Anfeindungen des alten Hofes gegen die Nestbeschmutzer Lully und Moliere immer größer. Als auch die Kirche ihr Fett abbekommt, ist auch die blutige Intrige nicht mehr weit.

Nach seinem bisher bekanntesten Film  "Farinelli - Il Castrato" von 1995, der mit dem Golden Globe ausgezeichnet und für den Oscar nominiert wurde, entwirft der belgische Regisseur Gérard Corbiau in "Der König tanzt" aus dem Jahr 2000 ein fulminantes Bild der Welt des Sonnenkönigs, Ludwig XIV., und seines Hofes.
Eine opulente Bilderflut ermöglicht es und man ist mitten in diesem höfischen Treiben, die vom Musica Antiqua Köln gespielte Barockmusik ergänzt die Bilder optimal und betört die Ohren.
Dabei gelingt durch diesen visuell exzessiven Stil ein Spiegelbild dieser Epoche. Corbiau argumentiert dabei nicht mit Worten, sondern mit Bildern und Musik. Er will sein Kino als eine Bewegung und eine Überwältigung zelebrieren. In seinen besten Momenten, etwa dann, wenn der König tanzt, gelingt dem Filmemacher eine plausible Interpretation des Barock und seiner Haltung.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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