Donnerstag, 6. Dezember 2012
Into the Wild
Regie: Sean Penn
Die Reise ans Ende der Welt
Ein Aussteiger-Epos basierend auf Tatsachen. Aus dem jungen Christopher McCandless (Emile Hirsch), der aus vermögendem und vordergründig wohlbehütetem Elternhaus (William Hurt/Marcia Gay Harden) stammt wird der Wanderer Alexander Supertramp und sein Schicksal soll sich in Alaska und dort in einem verlassenen alten Linienbus 142 der Fairbanks City Transit System erfüllen....aber vor dieser Erkenntnis nimmt uns Director Sean Penn in Rückblenden zuerst mit an die Anfänge dieser Aussteiger-Reise, die in der Villa der Eltern des Studenten Christopher beginnt. Der junge Student leidet unter den Spannungen der Eltern, die so tun als wäre alles in Ordnung... lediglich mit der Schwester verbindet ihn eine Art Zusammengehörigkeit. Nach dem sehr erfolgreichen Studium in Geschichte und Anthropologie im Sommer 1990 bricht er, nachdem er zuvor seine stattlichen Ersparnisse gespendet hat und sich so weitestgehend vom materiellen Besitz losgesagt hat, auf zu einer zweijährige Reise quer durch die USA: Anfangs noch bequem im sicheren Datsun, später fortgesetzt zu Fuß mit einem Rucksack, viel Mut und Abenteuerlust. Sein Ziel: Fairbanks, Alaska...nahe des nördlichen Polarkreises. Ein Leben, jenseits der Zivilisation, nur auf sich allein gestellt inmitten einer wunderbar imposanten Natur. Und Chris beginnt diesen Traum in Traumlandschaften zu realisieren.. Er paddelt mit einem Kajak den Colorado River hinunter bis Mexiko. Dann als Tramp per Zug, Freiheit pur...aber dazwischen immmer wieder bis zu einem gewissen Grad "konventionell" beschäftigt, um ein bisschen Geld verdienen, für die Familie ist er verschollen. Er jobbt bei einem Farmer im Getreidesilo oder auch in einem Fastfood-Restaurant. Auf seiner Reise trifft er auf ein 68er Hippiepärchen, auf ganz junge Hippies, auf ein verliebtes Mädchen oder auch auf einen einsamen Kriegsveteranen. Die Frage nach Gott wird erörtert, ebenso die Frage, ob diese erzwungene Rückkehr zur Natur nur die Illusion des modernen Menschen ist.
Christopher ist eigentlich kein Eremit, er ist kontaktfreudig, sucht den Mitmenschen und man kann bis zuletzt nicht so richtig einschätzen, was da wirklich für eine Reise beginnt oder wo sie enden könnte und es ist nicht so ganz plausibel, warum er alles hinter sich lassen möchte. Ist es vielleicht nur eine dieser trendigen Extrem-Abenteuer Ferien, eine intensivere Variante von Rafting oder Banshee Jumping ?
Oder ist alles an eine Sinnfrage zu einer Reise ins Ich gekoppelt, in diesem doch wesentlich konsequenteren Ausstieg zurück zur Natur, zur Rückbesinnung und zum Ausleben der Grundbedürfnisse des Menschen.
Was sucht Christopher ? Ist es am Ende gar die Liebe ?
Christophers vordergründiges Motiv für diese Reise ist diese Angst vor der materiellen und auch mentalen Abhängigkeit des Modells "Leben", deshalb will er die Grenzen ausloten und es deutet sich bald an, dass diese Reise weit mehr ist, als dieser letzte "Go West" Urlaub eines Studenten, bevor der Ernst des Lebens "Beruf, Familie, Haus" beginnt.
Christopher verliert sich aber in dieser damit verbundenen Metamorphose, die ihn zu einem bewusster lebenden und sich intensiver spürenden Menschen wandeln soll.
Alles eingebettet in eine übergeordnete Natur, die Sean Penn in überwältigend schönen, stellenweise stark melancholisch gefärbten Bildern präsentiert.
"Into the Wild"ist sicherlich nicht die Topgranate für den Maistream-Filmabend in Gesellschaft. Dazu ist der Film sehr leise, recht meditativ...es dominiert die Bildersprache. Er ist aber in seiner Gesamtheit sehr beeindruckend und sympathisch. Vor allem weil wohl in jedem von uns ein bisschen was von Christopher steckt.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.
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