Regie: Gavin Hood
Gegenwartsbewältigung im US-Kino
Irgendwo in Nordafrika: Auf einem Marktplatz wird ein terroristischer Anschlag verübt, der 19 Menschenleben und zahlreiche weitere Verletzte fordert.
Wenig später wird der aus Ägypten stammende US-Bürger und Ingenieu Anwar E-Ibrahimi (Omar Metwally), der sich auf der Heimreise zu Frau (Reese Witherspoon) und Kind befindet, beim Umsteigen am Flughafen von der CIA aufgegriffen, festgenommen und ohne Anklage in irgend ein Gefängnis ausserhalb der USA gesteckt, dort festgehalten und von zwei Männern (Jake Gyllenhaal/Yigal Naor)immer wieder zu gleichen Fragen verhört, irgendwann auch der Folter unterzogen.
In den weiteren Szenen erfährt der Zuschauer mehr über diese beiden, in einer gewissen Beziehung stehenden Ereignisse und schon sind wir mittendrin in einem weiteren erstaunlich selbst-kritischen US-Film über die gegenwärtigen amerikanischen Kriegs- und Terrrorabwehraktivitäten im Ausland. Stephen Gaghans machte es vor 2 Jahren mit "Syriana" vor und hat inzwischen eine Menge ambitionierter Nachfolger, mit "Tal von Elah" stellt sich aktuell noch ein weiterer starker Film zu diesem Themenkreis der Publikumsgunst.
Es sind Themen der Stunde, denen wir in diesen Filmen begegnen, jeden Tag sind sie uns durch die Medien und in den Nachrichten präsent...diese Geschichten sind real, sie passieren tatsächlich.
Die Aufbereitung im Heute und Hier ist mutig, die Filmemacher geben sich bewusst politisch und beziehen damit Position zu ganz aktuellen Themen und wirken daher beeinflussend.
Die Abrechnung mit Vietnam beispielsweise war im Kino erst Jahre später möglich, als der Krieg längst beendet war und einige dieser filmischen Vergangenheitsbewältigungen wie "Coming Home", "The Deer Hunter" oder "Apocalypse Now" wurden Welterfolge.
"Machtlos" ist Gavin Hoods Nachfolgefilm von "Tsotsi" und er konnte mit Streep, Gyllenhaal, Witherspoon oder Alan Arkin eine sehr attraktive Darsteller-Riege für sein Projekt gewinnen.
Die Story selbst ist über weite Teile sehr gradlinig und konventionell erzählt, aber dafür durchgehend sehr dicht und spannend inszeniert. Erst gegen Ende erhält diese Erzählweise eine Wendung, die dem Film allerdings für mein Empfinden nicht so gut tun, es driftet dann doch einiges zu sehr in Richtung trendgerechtes "Hollywood" ab. Dies bedeutet vielleicht ein Plus an Emotion und Action und damit auch ein erweitertes Zielpublikum. Trotzdem geht durch dieses erhöhte Tempo und diese Übertreibungen die Möglichkeit verloren, hochbrisantes Politkino der Extraklasse zu machen, was eine ganze Zeitlang mit diesem erkennbaren Potential mehr als machbar gewesen wäre.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.



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