Samstag, 8. Dezember 2012

Der ganz große Traum



Regie: Sebastian Grobler

Der Club der kickenden Gymnasiasten...
 
Deutschland im Jahre 1874: Das Kaiserreich ist hochgradig konservativ, extrem patriotisch und insgeheim liebäugelt man nach dem 1971er Sieg von Preußen im Deutsch-Französischen Krieg auch mal England zu besiegen, so wie es sich für eine neue, aufstrebende Großmacht in Europa gehört.
Das Reich wird aber zuerst einmal am 29. September 1974 von der "englischen Krankheit" invasionsmässig überrollt, so wurde das damals völlig unbekannte Fußballspiel von seinen Feinden genannt. An diesem Tag wurde das erste Fußballspiel in Deutschland von Schülern des Gymnasiums Martino-Katharineum in Braunschweig unter der Leitung von Konrad Koch und August Hermann auf dem Gelände des „"Kleinen Exerzierplatzes“" ausgetragen. Mit diesem Spiel schlägt die Geburtsstunde des Fußballs auf dem europäischen Festland.
Der junge Lehrer Konrad Koch (Daniel Brühl) soll im altehrwürdigen braunschweiger Gymnasium 1874 Englisch unterrichten. Um die Schüler, aber auch das Kollegium, für die fremde Sprache zu begeistern, greift er nach Tagen der Lustlosigkeit seitens seiner Schüler zu ungewöhnlichen Mitteln. Er hat einige Jahre in England gelebt, dort unterrichtet und bringt nun einen Fußball als Souvenier von der Insel mit ins deutsche Reich. Dort spielt man mit diesem leichten Ball einen seltsamen Sport, der sehr schnell im Reich als "weibisch" oder gar subversiv gilt.
Und nun lässt er die Jungs in der Turnhalle antreten, wo sonst vornehmlich Exerzieren auf dem Programm steht. Indem sie mit dem "Ball" ins "Goal" schiessen, lernen sie die Regeln und ganz nebenbei mit einer Leichtigkeit die fremde Sprache. Sogar das "Th" fällt dann leicht.
In dem Schuldirektor Gustav Mehrfeld (Burkhard Klausner) hat er eher einen leisen Verbündeten, der muss sich allerdings bei der konservativen Lehrerschaft und noch konservativeren Eltern wie dem reichen Richard von Hartung (Justus von Dohnanyi) immer wieder für den unkonventionellen Lehrer mit den ungewöhnlichen Lernmethoden einsetzen.
Dessen Sohnemann Felix (Theo Trebs) ist auch der Junge, der am schwierigsten für den neuen Ballsport zu gewinnen ist, denn er mobbt lieber den Arbeiterjungen Joost Bornstedt (Adrian Moore).
Dessen Mutter Klara (Kathrin von Steinburg) spart eisern, damit sie ihrem Sohn das Studium ermöglichen kann....

Sebastian Groblers Film "Der ganz große Traum" erzählt die freie Geschichte nach einer wahren Begebenheit, wie der Fußball, seit Jahrzehnten Volkssport Nr. 1, zu uns kam und einen bis dato unvergleichlichen Siegeszug feierte.
Groblers Feel Good Movie orientiert sich mit seiner Geschichte sehr stark an Peter Weirs "Der Club der toten Dichter", ein bei seinem Erscheinen sehr populärer und effektiver Film, der allerdings inzwischen ein bisschen in Jahre gekommen ist. Thema ist nicht nur den "Tag nutzen" sondern auch den Mut zu sich selbst zu stehen und für sein Glück zu kämpfen.
Natürlich darf dann im Falle vom großen Traum keinesfalls auch Teamgeist, Zusammenhalt und Fair Play fehlen.
Diese Themen zeigt der schön ausgestattete und gut bebilderte Film genauso wie Sönke Wortmann in seinem "Wunder von Bern".
Das ist natürlich alles Heile Welt Unterhaltung, aber durchaus sehr unterhaltsam. Vor allem wird ganz irre, wenn die sittsame Schulklasse von 1974 genauso revoluzzerisch auftritt wie eine Klasse von 1968 oder so.
Am Ende lösen sich alle Konflikte dank Fußball und der kann seinen Siegeszug antreten. Demnächst nach 1874 auch in Bayern, dort wurde das Verbot dann 1927 aufgehoben, wie der Film im Nachspann zu berichten weiss...
 mit seiner unkonventionellen Art macht sich Koch bald auch Feinde: seine Kollegen, die nur auf preußischen Drill und Gehorsam setzen, genauso wie einflussreiche Eltern und Würdenträger der Stadt. Sie wollen Koch um jeden Preis loswerden – doch jetzt ergreifen die Schüler die Initiative…

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

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