Samstag, 8. Dezember 2012

Vincent will meer



Regie: Florian David Fitz

Auf der Flucht vor der eigenen Krankheit...

Die Mutter des am Tourette-Syndrom leidenden Vincent (Florian David Fitz) ist gestorben, sein Vater (Heino Ferch), ein angesehener Lokalpolitiker müsste sich nun um ihn kümmern. Doch der  schämt sich für krankhafte Unkotrollierbarkeit seines Sohnes und schiebt ihn in eine psychiatrische Fachklinik ab. Dort informiert ihn die Therapeutin Dr. Rose (Katharina Müller-Elmau) über die Auswegslosigkeit einer Heilung, aber man könnte die sogenannten "Ticks" zumindest unter Kontrolle bekommen.
Der junge Mann leidet unter seiner Krankheit, die bei vielen seiner Mitmemschen auf diese obszönen, nicht kontrollierbaren Laute reduziert wird. Begleitet wird dies noch von ebenfalls nicht steuerbaren Zuckungen des Körpers.
Dass die Autoaggressionen auch in Fremdaggression umschlägt wird sehr schnell bei einem Vorfall in seiner neuen Klinikumgebung bemerkbar. Drei Kinder hänseln ihn und Vincent schlägt völlig überzogen einen der Jungen zu Boden.
Er muss in der Klinik das Doppelzimmer mit dem Zwangsneurotiker Alexander (Johannes Allmayer) teilen und lernt auch die magersüchtige Marie (Karoline Herfurth) kennen, auf die er ein Auge wirft.
Marie gerät in einen heftigen Streit mit Frau dr. Rose und sie überredet Vincent das Auto der Therapeutin zu klauen. Gemeinsam soll es in Richtung Italien ans Meer gehen. Dies ist auch der Ort, an dem Vincents Mutter am glücklichsten gewesen sein soll.
Natürlich will es das Drehbuch, dass auch der Zwangsneurotiker unter Zwang Mitreisender wird.
Die drei unterschiedlichen Menschen beginnen ihre wilde Fahrt von Deutschland über Österreich nach Italien. Dicht auf den Fersen im Roadmovie sind ihnen gemeinsam der Vater, der einen Skandal befürchtet und die Ärztin, die Behandlungsfehler einräumt...

Unter Ralf Huettners Regie entstand 2010 das preisgekrönte Roadmovie "Vincent will Meer", das Originaldrehbuch des Films stammt von Florian David Fitz, der auch die männliche Hauptrolle übernahm.
Die Geschichte ist recht einfach konstruiert und zeigt drei junge Patienten mit Tourette, Magersucht und Zwangsneurose auf der Flucht - mit dem Ansinnen, dass der Weg das Ziel ist und die eigentliche Bestimmung die Selbstfindung sein muss.
Auf dem Weg dorthin lernen die drei Individuen, dass man auch nicht vor Problemen davonlaufen kann.
Einen Film über Krankheiten oder Behinderungen zu machen, ist immer ein Kompromiss zwischen einer zu direkten Konfrontation mit dem Krankheitsbild und dem Versuch, mit populären Mitteln eine möglichst große Zahl an Betrachtern für ein schwieriges Thema zu gewinnen, so auch in den Welterfolgen "Rain Man" oder "A beautiful Mind" geschehen.
Psychiatrische Krankheitsbilder aufbereitet als eine Art Feel Good Movie, was aber keineswegs hinwegtäuschen darf, dass die Realität da schon viel ernüchternder und erschreckener ist.
Immerhin haben es die Macher geschafft ein sehr sympathisches Plädoyer für Aussenseiter zu schaffen, vor allem das Tourette Syndrom ist ja doch noch weitgehend unbekannt. Nach Schätzungen leiden jedoch zwischen 1/2 bis 1 Million Bundesbürger unter diesen Ticks.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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