
Regie: Gareth Maxwell Roberts
Ich sehe tote Menschen...
Verängstigt läuft er durch die versiffte Vorstadt einer Metropole. Der einzelgängerische Leichenbestatter (Method Man) scheint aus einer anderen Zeit zu stammen, so jedenfalls suggeriert es seine altmodische Kleidung mit Melone, Anzug und Hornbrille.
Draussen ist sein Feind, nur drinnen ist er sicher. Dies passiert wenn er mit dem Schlüssel das Leichenschauhaus am Morgen öffnet und dort bis zum Feierabend Leichen säubert und für die Beerdigung herrichtet.
Ähnlich läuft es am Abend nach dem Zuhauseweg, in der sicheren Wohnung widmet er sich mit Geschick und Akribie seinem Hobby und stopft Tiere aus.
Damit macht er manchen Nachbar wieder glücklich, wenn der verstorbene, geliebte Struppie nach der Präparation so aussieht, wie wenn er noch leben würde.
Langweilig wird es ihm in dieser Gegend bei seiner Arbeit nicht, denn an Nachschub von zu Tote gekommenen Gewaltopfern mangelt es in dieser trostlosen Gegend nicht. Daher bekommt er einen Träger namens Noah (E.J. Bonilla) zugewiesen, der im Leichenschauhaus seine Bewährung bestehen muss - andernfalls wandert der kriminelle junge Mann wieder in den Knast, wo ihn auch sein Bewährungshelfer liebend gerne haben würde.
Der tätowierte Bauch einer ermordeten jungen Frau reist den Bestatter dann auch aus seiner Lethargie, er erkennt eine Parallele zu seiner Kindheit.
Und ein Kind (Cruz Santiago) wird auch vom Bandenboss (Dash Mihok) gesucht....
Gareth Maxwell Roberts schuf mit "Der Sezierer" (Original: The Mortican) ein düsteres, stilles und teilweise deprimierendes Drama mit Noir Einflüssen. Die Geschichte handelt von dem örtlichen Bestatter, der sehr zurückgezogen und schreckhaft in seiner eigenen leblosen Welt der Toten lebt.
Dabei gelang ihm ein sehr ruhig erzähltes und nüchtern gefilmtes Sozialdrama, das einen intensiven und deprimierenden blick auf die moderne und auch marode Gesellschaft wirft.
Die Form des Films ist durch die interessante Bebilderung gut gelungen, dageben flacht die Story inhaltsmässig etwas ab, denn so gelungen Location und Setting wirken, die Figuren haben alle eine gewisse Künstlichkeit, die mich als Zuschauer in einer Distanzposition zum Film belassen.
Ob "Der Sezierer" richtig gelungen war, wird sich wohl erst in einer retrospektiven Sicht beurteilen lassen. Vielleicht lags daran, dass der Film mich etwas bedrückt entlassen hat, 100 Minuten Elend und Leichenschauhaus waren dann doch gedanklich nicht so leicht abzuschütteln.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.


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