
Regie: David Schwimmer
Vertrauen...
Die 14jährige Annie (Liana Liberato) lebt mit ihrer Familie in einem Vorort von Chicago.
Vater Will (Clive Owen) arbeitet im Marketingsektor für sexy Teenagerklamotten und führt eine glückliche Ehe mit der resoluten witzigen Lynn (Catherine Keener).
Der älteste Sohn Peter (Spencer Curnutt) bereitet sich gerade aufs College vor, er zieht von zu Hause aus, um näher an der Uni zu sein.
Von ihrem Dad bekommt Annie ein Laptop geschenkt. Dort chattet sie auch oft. Sie lernt im Internet den 16jährigen Charlie (Chris Henry Coffey) kennen, der sich ebenfalls sehr für Volleyball interessiert.
Der Junge gibt ihr gute Ratschläge und dadurch schafft Annie es in die Mannschaft aufgenommen zu werdne.
Überhaupt kann sie ihrem virtuellen Freund alles sagen, ein heißer virtueller Flirt bahnt sich immer mehr an.
Doch Charlie erhöht nach steigendem Vertrauen sein Alter zuerst auf 20 Jahre, dann auf 25. Annie ist zuerst erschrocken darüber, aber die Pics, die er ihr zuschickt zeigen einen blonden hübschen Sunnyboy.
Aus den Chatkontakten und Mails werden auch bald Telefonate.
Charlie will sie auch persönlich kennenlernen, daher verabredet sie sich mit ihm in einem Einkaufszentrum. Als Charlie dann tatsächlich auftaucht, ist der Schock bei Annie tief. Der Junge, der sie so sehr versteht und in den sie sich schon verliebt hat, entpuppt sich als Mann, der stramm auf die 40 zugeht.
Nach dem ersten Dämpfer kommen sie sich aber doch näher, der Mann zeigt sich als verständnisvoller Zuhörer und hat Annie auch erotische Unterwäsche als Geschenk mitgebracht. In einem kalten Hotelzimmer mit schrecklicher Tapete wird der Mann zudringlich. Annie zögert zuerst, dann lässt sie es geschehen. Es kommt es durch die Initative und Dominanz des Mannes zum Geschlechtsverkehr.
Die Eltern ahnen nichts von dem sexuellen Mißbrauch und Annie selbst ist eher extrem zerissen in ihrem Gefühlen in Bezug auf das Erlebte. Sie wünscht sich, dass "Charlie" sich wieder meldet, doch der ist die nächsten Tage nicht erreichbar.
Ihre Freundin Brittany (Zoe Levin) ahnt was Annie erlebt hat und macht Meldung in der Schule. Dies ruft die Polizei und auch das FBI auf den Plan, das Mädchen wird von Beamten von der Schule abgeholt. Als die Eltern erfahren, was ihrem Kind widerfahren ist, reagieren sie sehr emotional und sind völlig mit der katastrophalen Situation überfordert.
Die Psychologin (Viola Davis) versucht Zugang zu dem Mädchen zu finden, indem sie dem Mädchen signalisiert, dass sie weder dominierend kommentiert noch urteilt.
Der Vater hegt indessen Rachegefühle...
Was dem Mädchen noch mehr zuusetzt als das grausame Verbrechen "Vergewaltigung", dass sie zuerst eher als Verlust ihrer Jungfräulichkeit auffasst, ist der Umgang der Familie mit Ihr und die Reaktionen des Umfelds auf dieses Ereignis, hier leidet das Selbstwertgefühl des jungen Teenagers aufs Äusserste, was noch einer psychischen Vergewaltigung gleichkommt.
David Schwimmers "Trust" ist ein sehr einfühlsamer und äusserst differenzierter Film über das Thema Kindesmissbrauch bzw. Vergewaltigung von Minderjährigen.
Hervorragend gelungen ist seine schonungslose Offenheit und seine hohe Sensibilität in bezug auf alle Figuren. Der Film versteht es grandios Klischees und einen moralischen Zeigefinger zu vermeiden.
Die Darstellung der jungen Liana Liberato ist unglaublich intensiv und darf als oscarreif angesehen werden.
Auch Clive Owen und vor allem Catherine Keener spielen die Eltern extrem glaubwürdig und gut.
Das Drehbuch von Andy Bellin und Robert Festinger wirft einen unschönen Blick auf die dunklen Seiten der Gesellschaft. Die Stärke des Films liegt auch nicht zuletzt an seiner konsequenten Haltung die Gefühle des Teenagers respektvoll und ihrer ganzen Komplexität, Verwirrung und Verletzlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.



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