Freitag, 7. Dezember 2012
Geheime Staatsaffären
Regie: Claude Chabrol
Trügerische Machtpositionen
Es ist das Thema der Stunde, dass Chabrol hier versucht aufzurollen: Eine präzise Aussage über Korruption, über Veruntreuung...über die dubiosen Machenschaften von Grosskonzernen und ihren mächtigen, leitenden Mitarberitern - nicht zuletzt auch der dringende Verdacht, dass es eine Verflechtung korrupter Agreements geben muss zwischen Wirtschaft und Politik. Eine schwer angreifbare Macht, die letztendlich auch die Grenzen der Staatsgewalt aufzeigt.
Und eine präzise, strafrechtlich relevante Aussage über solche Machenschaften muss erst einmal in einem psychologisch raffiniert geführten Verhör geschaffen werden...und bleibt am Ende vielleicht doch nur Illusion, weil die Gegner mächtiger sind.
In dem ruhigen, ja beinahe relaxten Film brilliert Isabelle Huppert als diese intelligente und rhetorisch raffinierte Richterin Richterin Jeanne Charmant-Killmann, die mit solch einem Fall von Veruntreuung von möglicherweise astrononischem Ausmass betreut wird. Sie lässt den an einer Hautallergie leidenden Firmen-Chef Humeau (Francois Berleant) verhaften und versucht ihm etwas nachzuweisen. Dabei wird sie konfrontiert mit Informanten, mit Maulwürfen, mit karrieregeilen Opportunisten. Nicht zuletzt kriegt sie noch eine Kollegin an die Seite gesetzt - eine Situation, von dem mancher sicher erhofft, dass sich die beiden immer mächtiger werdenden Frauen klischeegemäss als sich bekämpfende Zicken verhalten...und die Untersuchungen dadurch blockiert sind. Trotzdem arbeitet Jeanne mit voller Hingabe am Fall und schnell wird auch das Privatleben mit Ehemann Philippe (Robin Renucci) auf eine harte Probe gestellt....
Chabrols Film ist eine softe, augenzwinkernde Variante eines anderen bekannten französischen Films, Verneuils "I wie Ikarus", dieser ist allerdings viel ernster, spannender und radikaler am Thema und ein extrem guter Politthriller alter Schule. Chabrols Variante ist psychologisch ausgefeilt und leiser, aber nicht minder interessant. Die Frauenfigur, die die Huppert spielt ist natürlich ein Glücksgriff...berauscht davon ebenso Machtfigur wie ihre Gegner zu sein, nimmt auch ihre Kaltblütigkeit zu. Ein kluger Schachzug von Chabrol auch ne Menge versteckten satirischen Witz in dieses Szenario über das Erlangen, Verlieren und Tausch von Macht einzustreuen (in der Anfangssequenz muss der Firmenchef tatsächlich seine Hosen beim Antreten in die Untersuchungshaft runterlassen).
Manche werden den Film vielleicht langweilig und unverbindlich finden - mir hat er sehr gut gefallen, auch wenn der Film sehr dialoglastig ausfällt und sehr wenig Action und Thrill bietet.
Gemessen an seinem grandiosen Gesamtwerk müsen sich die beiden neueren Chabrol Filme mit der Huppert "Süsses Gift" und auch dieses "Geheime Staatsaffären" auf keinen Fall verstecken.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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