Freitag, 7. Dezember 2012

Süßes Gift


























Regie: Claude Chabrol

Die Logik der Giftmischerin...

Lausanne: Ein Ort des Wohlstandes. Die junge, sehr begabte Klavierschülerin Jeanne (Anna Mouglalis) erfährt von einer plappernden Freundin der Mutter, daß man sie nach ihrer Geburt im Krankenhaus für kurze Zeit mit dem Kind des berühmten Pianisten Andre Polonski (Jacques Dutronc) verwechselt hat. Ein Gedanke, der sie nicht mehr loslässt, sie kann diese Gemeinsamkeiten nicht als Zufall abtun und sie nimmt gegen den Widerstand ihrer Mutter Kontakt mit Polonski und seiner Familie auf, in der Hoffnung herauszufinden, ob er vielleicht ihr Vater ist. Diese Idee ist allerdings nicht ungefährlich, da es in der Heilen Welt der Familie Polonski Abgründe ungeahnten Ausmasses gibt. Die fragile Marie-Claire Muller (Isabelle Huppert), Mika genannt, ist nicht nur (im zweiten Anlauf) die frischgebackene Ehefrau des Künstlers, sondern auch schwerreiche Chefin und Eigentümerin einer Schokoladenfabrik.
Polonskis war zwischenzeitlich lange mit einer anderen Frau verheiratet, die bei einem Autounfall tragisch ums Leben kam. Aus dieser Ehe ging der introvertierte Sohn Guillaume (Rudolphe Pauli) hervor, der dann ausgehend von Jeannes Vermutung logischerweise dann auch nicht der Sohn von Polonski wäre.
Jeanne geht mit dem Konflikt offen um, besucht die Familie und konfrontiert diese mit ihrem Wissen.
Daß da in der Familie etwas nicht stimmt, bekommt sie auch sehr schnell mit. In der Schokolade, die die herzensgut wirkende Mika für Guillaume kredenzte und diese die Thermosflasche bewusst auf den Boden verschüttet, findet ein Freund von Jeanne Spuren von sedativ wirkenden Benzodiazepinen....
Ein leiser, kammerspielartiger Chabrol aus dem Jahre 2000, der den Zuschauer mit glänzenden, zuerst undurchschaubaren Intrigenspielen konfrontiert und vor allem durch eine grandios spielende Isabelle Huppert, die zwischen Zerbrechlichkeit und Eiseskälte pendelt, ein extrem starker Film des Meisterregisseurs.
Ausgangspunkt für "Süßes Gift" war Chabrols Idee, die Traufrau Isabelle einmal "eine Perverse" spielen zu lassen.
"Ich habe sie angerufen, gefragt, ob sie dazu Lust hätte. Sie antwortete ohne Zögern: Eine Perverse ? Selbstverständlich, mit Vergnügen.

Der fiese, wie feine Giftmischer-Streifen nach dem Roman The Chocolate Cobweb" (1948) von Charlotte Armstrong heisst im Original "Merci pour le chocolat".

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

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