Samstag, 8. Dezember 2012
Liebende Frauen
Regie: Ken Russell
Mögliche und unmögliche Partnerschaft...
Kurz nach dem ersten Weltkrieg in Beldover, einer Bergbaustadt in den Midlands: Laura (Sharon Gurney), die Tochter des reichen Minenbesitzers Thomas Grich (Alan Webb) heiratet den jungen Marineoffizier Tibby Lupton (Christopher Gable). Die Hochzeit ist ein Riesenereignis. So auch für die beiden Schwestern Ursula (Jennie Linden) und Gudrun Brangwen (Glenda Jackson).
Ursula ist Lehrerin und entdeckt unter den Hochzeitgästen den Schulinspektor Rupert Birkin (Alan Bates), mit dem sie auch schon mal geflirtet hat. Doch der scheint derzeit mit der versnobten Künstlerin Hermione Roddice (Eleanor Bron) zu sein. Ruperts bester Freund ist Gerald (Oliver Reed), der Sohn des Minenbesitzers, der immer mehr die Geschicke der Fabrik leitet.
Gerard ist gefürchtet bei seinen Arbeitern, den er bestraft schwache Leistungen recht drastisch. Er gilt als roh und brutal.
Auf dem Gut der reichen Hermione lernen die beiden Schwestern die zwei Freunde näher kennen.
Als Hermione als Unterhaltung für ihre Gäste einen Tanz im stil des russischen Ballets erarbeitet, wird Rupert ungeduldig und lässt den Pianisten während der Solodarbietung von Hermione plötzlich einen Ragtime spielen, alle beginnen miteinander zu tanzen. Ausser der äusserst verärgerten Gastgeberin, die merkt, dass Rupert sich immer mehr Ursula zuwendet.
Auch die künstlerische Gudrun entdeckt eine Anziehung zu Gerard, die Gefühle sind aber stets ambivalent.
Der Sommer, den die Protagonisten dann erleben, wird danach dominiert in Sachen latenter Erotik, Annäherung und Anziehung.
Beim jährlichen Picknick bei den Criches kommt es zu einer Katastrophe...
Ken Russell drehte "Women in Love" im Jahr 1969, der Film, des erst kürzlich verstorbenen Regisseurs war auch gleichzeitig sein Durchbruch im Filmgeschäft.
Grundlage war der gleichnamige, 1920 entstandene Roman von D.H..Lawrence, der vom Kampf der Geschlechter und Beziehungen in der Elite der britischen Industrieregion handelt.
Russell inszenierte sehr bekannt und schuf einige Szenen, die im Gedächtnis bleiben: Etwa wenn Glenda Jackson vor einer Herde von Langhornrindern einen Tanz aufführt oder aber der Ringkampf der beiden Freunde, die ihre Kleider abstreifen und im Feuerschein körperliche Nähe erkunden.
Bei der Oscarverleihung 1971 erhielt Glenda Jackson den Oscar als beste Hauptdarstellerin, Regisseur Ken Russell, Kameramann Billy Williams und Larry Kramer fürs Drehbuch wurden nominiert.
Im Film geht nicht nur um liebende Frauen, sondern auch um die Beziehung der beiden Männer der Geschichte.
Es ist Rupert, der nach einem deutlich homoerotischen, sportlichen Ringkampf zwischen ihm und Gerald (das von Russell in Richtung Liebesspiel inszeniert wurde und seinerzeit skandalträchtig war) seine Gefühle zum Freund verbal ausdrücken - er will mit Gerald eine Art Blutsbrüderschaft schließen, ihm körperlic kann. Er will diese intensiviieren mit einer Art Blutsbrüderschaft.
Russells Inszenierungsstil kann man als extrem extravagant bezeichnen, er treibt die Geschichte nicht nach den Gesetzen traditioneller Dramaturgie voran, er wählt oft einen etwas ungewöhnlich unrhythmischen Handlungsablauf. "Women in Love" ist ein ungewöhnliches, aber sehr starkes Sittenbild aus der Welt vor ca. 100 Jahren, er handelt nicht zuletzt von dem Versuch, sich von Zwängen zu befreien und hat ein Schauspieler-Quartett zu bieten, dass eine großarige Ensembleleistung schafft.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.
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