Regie: Bruce Beresford
Untypischer Oscargewinner
"Miss Daisy und ihr Chauffeur" gelang 1990 eine handfeste Überraschung bei der Oscar-Verleihung. Er gewann ausser dem nicht besonders überraschenden Sieg für Jessica Tandy, zwei weiteren Siegen in den Kategorien "Bestes adaptiertes Drehbuch" und "Beste Maske"den begehrten Hauptpreis "Bester Film des Jahres".
Eine Auszeichnung, die selbst heute noch, auch angesichts der meisten anderen Jahressieger vorher, nachher bis heute immer noch etwas aus dem Rahmen fällt: Der Film wirkt bescheiden, fast unauffällig.
Zwar war der Film mit Produktionskosten von lächerlichen 7, 5 Mio. Dollar und einem Einspielergebnis von ca. 120 Mio. Dollar im eigenen Land ein grosser Kassenerfolg. Einen Triumph, den er dann allerdings weltweit nicht erfüllen konnte und somit auch vielleicht aus internationaler Sicht einer der am wenigsten populären Gewinner des Academy Award Hauptpreis gilt.
Eine Art nostalgisches Kammerspiel, dass von einer grossartigen Leistung der Jessica Tandy getragen wird und mit Morgan Freeman einen ebenbürtigen Partner zur Seite hat. Der Film schildert in einer Zeitspanne von ca. 25 Jahren die Freundschaft dieser beiden ungleichen Menschen, die eigentlich am Anfang eher von einem Misstrauen geprägt war.
Doch langsam aber sicher kommen sich die exzentrische, jüdische Witwe und ihr vom Sohn auferzwungener schwarzer Fahrer näher....
So sehr man die Darstellungen loben kann - ein grossartiges Comeback für Jessica Tandy bietet, die bereits in den 30er Jahren Hitchcock Darstellerin war und mit der Rolle der Lydia Brenner in "Die Vögel" einem Millionenpublikum bekannt wurde... so sehr hat der Film selbst hat auch einige gravierende, dramaturgische Schwächen:
Am problematischsten ist der holprige Inszenierungsstil, der am Anfang eher gemächlich bis betulich beginnt und ca. 1 Stunde in diesem bedächtigen Tempo weitergeht. Es ist auch nach dieser Zeit noch gar nicht mal so ersichtlich, dass jede einzelne Episode, die man bis zu diesem Zeitpunkt sah, in einem anderen Jahr spielt. Diese Dramaturgie der schnellen, fast schon abrupten Zeitsprünge wird erst im letzten Drittel des Filmes so richtig bewusst, ganz gravierend am Ende des Films. Man hat ab diesem Zeitpunkt das Gefühl dass die Sequenzen eilig runtergespult werden.
Das Tempo des Films wird von einem gewissen Chaos regiert.
So richtig begeistert hat mich "Miss Daisy und ihr Chauffeur" nicht. Es ist für mich nette, harmlose und harmonische Unterhaltung mit stimmigen Momenten, aber auch teilweise ganz nah am Kitsch angesiedelt, eine Art Edelschmonzette. Erst nach dem Oscarsieg war es Bruce Beresford möglich ein wirkliches Meisterwerk mit dem kanadischen Indianerfilm "Black Robe" zu schaffen.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.








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