Mittwoch, 5. Dezember 2012

Drachenläufer


























Regie: Marc Forster

Wunderbare und grausame Bilder...

Ein Film über Afghanistan gerät ja schon zwangsläufig in eine politische Deutung. Das Land, dass immer noch nach seiner verloren gegangenen Identität sucht und seit Jahrzehnten nicht ohne Grund kommunistische und anschliessend religiös fundamentalistische Prägungen durchwanderte, aufgrund von Intoleranz immer wieder eine radikale Oppositionen geschaffen. Auch im Hier und Heute....
Für eine politische differenzierte Darbietung ist "Drachenläufer" aber nicht geeignet. Auch wenn man es bei uns in der westlichen Welt so sehen mag und sowohl der Roman von Khaled Hosseini als auch die filmische Adaption von Marc Forster weltweit gefeiert wurde.
In Afghanistan wurden sogar Ausstrahlung und Vertrieb des Films Mitte Januar 2008 vom Informations- und Kulturministerium verboten mit der Begründung einige Szenen seien fragwürdig und nicht akzeptabel, würden Unruhe in der Bevölkerung stiften". Eine Begründung, die durchaus schlüssig wird, wenn man a) die immer noch starke aber derzeit unterdrückte Taliban sieht und b) das personifizierte Böse nun nicht alleine wegen seinem religiösen Fanatismus angeprangert wird, sondern wegen seiner perversen Neigung.



Stark ist der Film in zwei Hinsichten. Er zeigt in einer ausufernden Sequenz während eines Drachenflug Wettbewerbs das alte Kabul aus den 70er Jahren. Leicht, atmosphärisch, traditionell, betörend spröde - betörend schön...man meint eine alte Seele zu spüren.
Für mich sicherlich eine der bleibenden, unvergesslichen Kinoszenen des Jahres 2008.
Und die Geschichte der Freundschaft zwischen zwei Kindern: Amir, dem Sohn eines großbürgerlichen Paschtunen und Hassan, Sohn des Hausdieners und Angehöriger der Hazara, einer damals in Afghanistan diskriminierten ethnischen Minderheit. Hassan ist Amir treu ergeben. Amir hat mit Ängsten zu kämpfen. Wird vom Vater sogar besorgt als Feigling gesehen.
Tatsächlich versagt Amir jämmerlich, als Hassan von älteren Jungen immer mehr terrorisiert wird. Er versagt aus Angst und Schwäche seinem Freund zu helfen. Aus Scham ist es ihm dann auch bald unmöglich mit Hassan dasselbe Haus zu teilen. Bald begeht er ein zweites Unrecht....durch die Besetzung der Sowjetunion flieht Amir mit seinem Vater und baut in den Folgejahren ein neues Leben in den USA auf. Doch die Vergangenheit holt ihn auf. Amirs Geschichte ist eine Geschichte von Schuld, Erlösung und Vergebung. Und mit diesem Hauptthema geht der Film nie kitschig um. Es werden auch keine grossen Worte gefunden. Als Erwachsener erhält Amir die Chance einer Wiedergutmachung...


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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