Freitag, 7. Dezember 2012

Womit hab ich das verdient ?

























Regie: Pedro Almodovar

Schrilles Proletariat...

Schrill, respektlos, etwas chaotisch und vielleicht sogar sperrig wird man das Frühwerk von Almadovar "Womit hab ich das Verdient?" womöglich empfinden können. Interessant aber, dass der Film noch so zeitgemäss oder modern rüberkommt, obwohl er inzwischen stolze 25 Jahre auf dem Buckel hat...also keinerlei Altersabnutzung vorweist, dieses Alter sieht man dem Film in keiner Weise an.
Die 1945 in Madrid geborene Almodovar Entdeckerin und Förderin Carmen Maura verkörpert die verzweifelte und geschundene Hausfrau Gloria.
Die Story "das bisschen Haushalt mit Frauen und Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs" selbst verbindet gekonnt Komödie, Melodram und Groteske, reichlich gefüllt mit Schrägheit, Absurdität - Normen und Werte teilweise hinterfragend und auf den Kopf stellend. Es passiert so ne ganze Menge in diesen spanisch-schrillen 101 Minuten, Wir sind zuhause beim Prolaritat, beim Kleinbürgertum, das schonungslos porträtiert wird und nicht nur die hässliche und typische Wohnungstapete entlarvt wird.


 Gloria ist der Mittelpunkt und Halt ihrer Familie - sie ist mit dieser Rolle aber nicht zufrieden, sieht ihr Hausfrauendasein trostlos und deprimierend, weil sie von den anderen Familienmigliedern nur als funktionierende Haushaltsroboter wahrgenommen wird: Essen machen, Putzen, Quickie vom Alten als Belohnung, dazwischen Streiten. Das Geld ist knapp.
Ihr Mann ist schlecht verdienender Taxifahrer, der seiner Zeit in Deutschland als Gastarbeiter nachtrauert - dort war er mit einer ominösen Schlagersängerin liiert und hört deshalb dauernd Zarah Leanders "Nur nicht aus Liebe weinen". Darüberhinaus nimmt er sich auch als Macho und Patriarch wahr.
Beide Söhne pupertär, einer davon dealt mit Drogen, der andere jüngere geht auf den Strich. Und da wäre noch die Schwiegermutter (Chus Lampreave).
Auch die Nachbarschaft schräg: Cristal (Veronica Forque)ist eine Hure mit Herz. Im oberen Stock wohnt eine alleinstehende, neurotische Frau die ständig mit ihrer schwer erziehbaren kleinen Tocher schimpft.
"Womit hab ich das verdient?" zeichnet aber alles andere als eine tragische Milieustudie - die Subkultur wird hier eher aus der Tabuzone geholt - war sicherlich 1984 notwendig - und als was sehr normales und alltägliches geschildert und so fehlt ein erhobener moralischer Zeigefinger bei den vielen Themen, die im Almodovar Cosmos vorkommen: Tablettenmissbrauch, Ehebruch, Prostitution, Strich, Drogendeal, Urkundenfälschung, Kleinkriminalität, Schwarzarbeit, Pädophilie, Diebstahl....



Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

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