Freitag, 7. Dezember 2012

Die Klasse


























Regie: Laurent Cantet

Die Kluft zwischen Lehrer und Schülern...

Der etwas einzelgängerische François Marin (Francois Begaudeau) ist seit 4 Jahren Lehrer an einer Pariser Schule im 20. Bezirk. Seine Schüler weisen einen sehr hohen Migrantenanteil auf, Francois unterrichtet das Hauptfach "Französisch", was alles andere als einfach ist:
Die Klasse ist unruhig, die wenigsten können sich konzentrieren und ständig gibt es läppische oder protestierende Zwischenrufe. Etwas was noch als Interesse gewertet kann, in vielen Fällen ist der Unterricht auch augenscheinlich uninteressant.
Berufliche Zukunftschancen für Kids wie Esmeralda (Esmeralda Ouertani), Wei (Wei Huang), Khoumba (Rachel Regulier), Nassim (Nassim Amrabt)oder Cherif (Cherif Rachedi) sind ungewiss und sehen düster aus.
Francois versucht immer wieder den vorgeschriebenen Stoff zu umgehen und versucht aktivierende Hilfe zu leisten, damit der Knoten platzt. Bei einer "Anleitung zum selbstständigen Arbeiten" gibt er die Aufgabe, dass jeder Schüler 5 ihm unbekannte Wörter des Textes nennen soll. Die Wörter wurden an die Tafel geschrieben und das Ergebnis ist mehr als erschreckend: Wird der Text überhaupt noch verstanden ?
Seinen Kollegen geht es ähnlich, sie sind täglich mit sozialem Sprengstoff konfrontiert, statt funktionierendem Schulalltag gibts Tendenzen latenter Aggression und Null Bock Stimmung.
Im Gegensatz zu seinen Kollegen, mit denen er viel diskutiert, versucht Marin nicht, Störenfriede des Unterrichts mit einem Verweis drastisch zu sanktionieren, er geht geduldig die Konflikte öffentlich im Klassenzimmer an, was ihn selbst phasenweise überfordert und ihn immer wieder unangemssen sarkastisch werden lässt, was logischerweise noch mehr Verständigungsschwierigkeiten und Mißverständnis hervorruft.
Selbst auf Fragen zu seiner vermuteten Homosexualität antwortet er den Schülern und versucht Toleranz zu propagieren.
Besonders schwierig ist der aus Mali stammende Souleymane (Franck Keita), der zunehmend den Unterricht boykottiert...

Hauptdarsteller François Bégaudeau, geb. 1971, ist französische Schriftsteller und Journalist. Er war ursprünglich Lehrer und der Film entstand nach seinem preisgekrönten eigenen Roman "Entre le murs".
Im Roman schildert Begaudeau seine eigenen Erfahrungen im Unterricht.
"Die Klasse" wirkt dokumentarisch und "echt", Regisseur Laurent Cantet gelang es eindrücklich das Leben im Klassenzimmer einzufangen und sah den Roman als variable Inspirationsquelle. Daher auch Abweichungen von Buch und Film.
Die meisten Darsteller sind im wirklichen Leben ebenfalls Schüler oder Lehrer an der Schule im Pariser Nordosten. Die Schüler spielen jedoch nicht sich selbst, sondern entwickelten mit Cantet zusammen die dargestellten jungen Persönlichkeiten.
Der interessante Film konnte bei wichtigen Filmpreisen punkten, so gab es mehrere Nominierungen für den Cesar und auch beim europäischen Filmpreis Felix war er ernstzunehmender Konkurrent von "Gomorrha", "Il Divo" oder "Das Waisenhaus".
"Die Klasse" ist eine erstklassige Studie mit den sozialen Konflikten der Gegenwart, die jungen Menschen sind Spiegelbild einer derzeit problematischen gesellschaftlichen Entwicklung. Die Macher des Films haben dies zwar ziemlich unspektakulär, aber umso atmosphärischer in Szene gesetzt.
Ein sehr empfehlenswerter europäischer Spitzenfilm, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte....

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen