Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bedingungslos


























Regie: Ole Bornedahl

Jonas/Sebastian

Ein lupenreiner Film Noir aus Dänemark: Die Eingangssequenz zeigt einen schwer verletzten angeschossenen Mann, der blutend im Regen liegt und bereits halluziniert- Die Off-Stimme beginnt seine Geschichte zu erzählen. Dieser Anfang erinnert stark den leblos im Pool treibenden William Holden in Billy Wilders "Sunset Boulevard", einem grossen wie auch aussergewöhnlichen Film noir.
"Bedingungslos" ist auch ein besonderer Film und heisst im Original "Just another love story". Erzählt wird in der Rückblende eine sehr interessante Geschichte mit einer Vielzahl von Themen wie "Identität" "Rollentausch", "Schuld", "Sühne", "Doppelleben" oder "Vergänglichkeit" - über allem steht aber wie in jedem Film Noir eine gefährliche Liebschaft.
Eine schöne Frau und das Mysterium - dies fasziniert den Polizeifotographen Jonas (Anders W. Berthelsen), der mit seiner Frau Mette (Charlotte Fich) und seinen beiden Kindern ein ganz normales Leben führt, aus dem er wie jeder andere auch mal gerne in Gedanken ausbrechen würde. Alles scheint so festgefahren im Alltag.
Als es unter Beteiligung seiner alten Rostlaube zu einem folgenschweren Autounfall kommt, fühlt er sich verantwortlich für die schwerverletzte Julia (Rebecca Hemse), die sich im Koma befindet und im Krankenhaus liegt. Er will sie besuchen, findet aber verzweifelte und trauernde Eltern und Geschwister vor, die ihn für den Freund Sebastian halten, den sie in Hanoi kennengelernt hat. Dummerweise spielt er das Spiel mit und langsam erwacht die Frau aus ihrem Tiefschlaf, sie kann sich an nichts erinnern und 90 % des Augenlichts ist beschädigt. Nur in kurzen Bruchstücken taucht ein Puzzleteil der Erinnerung auf, wo auch der echte Sebastian (Nikolaj Lie Kaas) eher alptraumhaft auftaucht...


Ole Bornedals "Nightwatch" wurde vor nunmehr 15 Jahren als extrem starker europäischer Thriller gefeiert.
Mit "Bedingungslos" ist ihm erneut ein ausgefallener Thriller gelungen, der seinem vielgelobtem Erstling das Wasser reichen kann.
Die Erzählweise ist interessant, der Film hat keine Schema F Tendenz. In gewisser Weise auch unvorhersehbar, allerdings ahnt man schon die Tragodie.
Die Story hat viel von "Vertigo" und auch an den Identitätstausch von Antonioni "Beruf: Reporter" wird man phasenweise erinnert, weil auch dort die Geschichte des Identitätstauschs vom Protagonisten zuerst sehr naiv vollzogen wird, nichtsahnend was für eine Dynamik damit ausgelöst wird - denn in beiden Fällen ist dem "Actor" die Rolle die er annimmt überhaupt nicht bekannt. Er begreift allmählich, dass alles weit entfernt von einem Spiel ist und sich aus dem Ausbruch vom "Ich" tragische Konsequenzen entwickeln...

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

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