Mittwoch, 5. Dezember 2012

Die 4 Federn


























Regie: Shekar Kapur

Bewährung beim Mahdi Aufstand...

Junge Menschen um 1880 im Viktorianischen Zeitalter: Es gibt nichts Grösseres als der Stolz auf das Empire und der Stolz der jungen Männer in der Armee zu dienen, Soldat zu sein und gegebenenfalls auch fürs Vaterland zu sterben. Individuelle Wünsche sind untergeordnet. Harry Faversham (Heath Ledger) und Jack Durrance (Wes Bentley) sind junge Leutnants der britischen Army, gute Freunde und lieben sogar die selbe Frau (Kate Hudson), die sich allerdings für Harry entschieden hat. Jack ist Gentleman genug, um dies wohlwollend zu akzeptieren.
Auf einem feierlichen Ball, bei dem der gesellschaftliche Rang und der militärische Stellenwert gemeinsam gefeiert wird, verkündet der Vater von Harry, ein General a.D. (Tim Pigott Smith) auch die Verlobung von Harry und Ethne. Gleichzeitig wird jubelnd die Nachricht vom Krieg gegen die Aufständigen des Muhammad Ahmad im Sudan gefeiert.
Das Regiment freut sich auf den kommenden Einsatz, nur Harry erlebt die spontane Sinnkrise: Er wurde von seinem ehrgeizigen Vater in die Militärkarriere gedrängt, die ihm nie wichtig war. Die Liebe zu Ethne soll Vorrang haben und ja, auch pazifistische Gedanken sind ihm nicht fremd und auch eine Angst kommt ihn ihm auf. Er quittiert am Folgetag seinen Dienst, wird vom Vater verstossen und von drei seiner enttäuschten Kameraden als Feigling angesehen, die ihm als Zeichen der Schande drei Federn als Symbol der Feigheit zukommen lassen. Nur Jack beteiligt sich nicht daran, die vierte Feder wird ihm dann von seiner enttäuschten Verlobten symbolisch verliehen...Jack verliert alles.
Allerdings lebt es sich nicht gut mit diesem ehrlosen und geächteten Ruf und so reist Harry auf eigene Faust ins Kriegsgebiet und fremde, besetzte Land Sudan, um sich seiner Angst zu stellen. Der imposante Krieger Abou Fatma (Djimon Hounsou) wird im weiteren Verlauf der Geschichte eine wichtige Schlüsselfigur...

Die Geschichte des Films basiert auf einem Roman des Autors A.E.W. Mason von 1910, die bereits mehrere Male als Kino- oder TV-Produktion verfilmt wurde. Der Film spielt vor dem historischen Hintergrund des so genannten Mahdi-Aufstandes im von den Briten besetzten Sudan. Die britische 1939 Verfilmung von Zoltan Korda gilt bislang als die gelungenste und wurde auch schon oft im deutschen TV vor allem an Festtagen gezeigt.
Shekhar Kapur wagte sich 2002 an ein Remake, dass von der Bildgewalt alle vorherigen Adaptionen weit in den Schatten sollte.
Die Kritik war ihm aber nicht immer gnädig. Die überaus wichtige US-Presse deutete sogar den Aspekt des Pazifismus in Illoyalität und Fahnenflucht um.
Optisch ist Kapur ein brilliant bebildeter Abenteuerfilm geglückt, der vielleicht in einer wohl in den Archiven schlummernden 4 Stunden Fassung sogar den epischen Atem von "Lawrence von Arabien" hätte vermitteln können. Diese zweistündige Kinofassung fängt aber auch mit kritischen Auge sehr treffend den sehr hohen militärischen Stellenwert im 19. Jahrhundert ein und zeigt eindringlich die Ignoranz der britschen Eroberer in einem fremden Land, die Einheimischen werden als Sklaven, Barbaren und Untermenschen gehandelt. Ein Nährboden des Denkens aus dem sich später die Rassenideologie entwickeln konnte....
Dass der pazifistisch denkende Harry dennoch seine friedlichen Prinzipien in seiner Zeit nicht leben kann und bald auch das Heldentum sucht, ist natürlich Bestandteils des Romans.
Dennoch ein guter Film. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass man ihn noch viel besser hätte machen können.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen