Samstag, 8. Dezember 2012

Dogtooth

























Regie: Giorgos Lanthimos

Die verborgene, andere Seite des Zaunes...

Dass Eltern ihre Kinder vor einer grausamen Umwelt schützen wollen, ist ja nur allzu verständlich.
In Giorgos Lanthimos Film "Dogtooth" wird aber diese elterliche Angst auf die Spitze getrieben mit einem für die Kinder diktatorischen, unmenschlichen Systems der Isolation und Gefangenschaft:
Der Vater (Christos Stergioglou) ist der Einzige, der das große Anwesen der Familie mit dem Auto verlässt und zur Arbeit fährt.
Die Mutter (Michelle Valley) telefoniert heimlich mit ihm im verschlossenen Zimmer mit dem versteckten Telefon.
Die Kinder sind inzwischen junge Erwachsene, es gibt zwei Töchter (Aggeliki Papoulia/Mary Tsoni) und einen Sohn (Christos Passalis), der in dieser geschützten Umgebung ein bisschen mehr Freiheiten geniesst. Immerhin bekommt er gelegentlich Besuch von Christina (Anna Kalaitzidou), einer verschwiegenen Arbeitskollegin des Vaters, die mit dem Jungen Sex macht und vom Vater Geld zugesteckt bekommt.
Die Kinder leben in einer streng abgeschottenen Welt.
Den nunmehr pubertierenden Jugendlichen wurde von klein auf dabei ein verqueres Weltbild voller Lügengeschichten vermittelt, mit der Botschaft, die Welt hinter der Gartenhecke sei angeblich ein böser und gefährlicher Ort. Gewohnte Begriffe des Alltages, die die Jugendlichen aufschnappenn, werden von der aufmerksamen Mutter neue Bedeutungen zugesprochen.
Ein Zombie ist z.B. eine kleine gelbe Blume, das Wort "Muschi" bezeichnet eine große Lampe und Katzen sind gefährlichste Kreaturen.
Das auf den ersten Blick harmonische Familienleben ist geprägt von emotionsloser Disziplin, aber auch von unschuldig-perversen Spielen der drei Geschwister. Die scheinbar perfekte Idylle erhält erste Risse, als die Töchter und der Sohn sich die Frage stellen, was wirklich hinter der Gartenhecke liegt?
Doch die Kinder dürfen das Areal erst verlassen, wenn als Zeichen von Oben ein Eckzahn ausfällt.
Derweil will der Vater seinen Hund aus der Hundeschule holen, aber der Trainer weigert sich, weil dieser erst die Stufe 2 der fünfstufigen Ausbildung geschafft hat.
Die Kinder werden auf sein Kommen und darauf dass die Mutter noch einmal schwange ist vorbereitet, dass die Mutter zwei Kinder und einen Hund gebären wird.


Verglichen wurde der für den Oscar als bester ausländischer Film nominierte griechische Film "Dogtooth" mit den Werken von Haneke oder Lars von Trier.
Wobei mich der Film gleich von Anfang an an die surrealen Meisterwerke von Luis Bunuel erinnerte. Tatsächlich bietet der Film in der heutigen Kinolandschaft das Vergnügen etwas ganz besonderes, auch etwas aufregendes zu sein.
Auch wenn die Jugendlichen das Ausmaß des Lügenkorsetts, in das sie gefesselt sind, nicht erahnen können, merken sie doch langsam, dass etwas nicht stimmt am Erstickungspotential ihrer Eltern.
Das Suchen nach Wahrheiten endet mit einem Schluß, der nur zwei Varianten zulässt: Tod oder Freiheit.
Dem griechischen Filmemacher ist eine grandiose Groteske und eine doppelbödigen Meditation über Abhängigkeit, Kontrolle und Manipulation gelungen.




Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

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