Freitag, 7. Dezember 2012

Overlord



Regie: Stuart Cooper

Kleinstes Rädchen im Getriebe...

Unter dem Decknahmen „Overlord“ planten die Alliierten von langer Hand die Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944, um die Deutschen endgültig in die Knie zu zwingen. Und der junge Tom (Brian Stirner) ist einer dieser vielen Tausenden Helden, die an diesem denkwürdigen Tag "live" vor Ort dabei sein sollen:
Aber noch ist alles in bester Ordnung, der eher introvertierte Bücherfan hat erstmal seine Einberufung erhalten und ist damit im Alter von 20 Jahren zwangsverpflichtetes Mitglied der britischen Armee.
Der behütet aufgewachsene Junge verabschiedet sich von seinen Eltern und lernt bei der Grundausbildung das raue, aber eher langweilige Leben in der Armee kennen. Mit der Zeit gewöhnt man sich an den kalten Umgangston, an den stumpfen Thrill und auch an etliche Schikanen, immerhin freundet er sich mit seinen Kameraden Jack (Davyd Harris) und Arthur (Nicholas Ball). Arthur ist einer, der das Ganze nicht so ernst nehmen kann, im Gegensatz zu Tom selbst, der immer mehr die Gewissheit in sich trägt, dass er diesen Krieg nicht überleben wird.Aber er fügt sich in diese Maschinerie. In einem Brief nach Hause schreibt er dass er inzwischen ganz klein geworden ist in dieser gewaltigen Apparatur. Er erfüllt die Befehle der Unteroffiziere, der Gewöhnungseffekt verhindert, dass sie noch an den Nerven zehren könnten.Die Jungs werden an die Küste verlegt und zwischen den Ausbildungsblöcken lernt er ein Mädchen (Julie Neesam) kennen, es entwickelt sich spontan eine zarte Zuneigung. Doch er wird nicht mal den Namen des Mädchen erfahren, denn die Invasion in die Normandie steht unmittelbar bevor....

"Overlord" ist ein völlig unbekanntes  Meisterwerk des Antikriegsfilm, der 1975 den silbernen Bären bei der Berlinale gewinnen konnte und seither einfach in Vergessenheit geriet. Ich kann mich auch an keine einzige TV-Ausstrahlung erinnern. Dabei hat der ambitionierte Film von Stuart Cooper stellenweise eine Genialität wie "Wege des Ruhms".
Dies gelingt durch eine gewollte hypnotische Wirkung, die sich mit der Zeit entfaltet und das Thema des Film, die Trostlosigkeit sich zu opfern, extrem gut vermitteln kann.
Besonders eindrücklich die Sequenz dieser Walzen, die auf fast überirdischen Weise von Schiffen aus über das Wasser ans Ufer rasen.
Der Film montiert 70 % Spielhandlung mit  30 § authentischen Kriegsbildern – in erster Linie sind dies Bombenangriffe, Luftkämpfe, Tieffliegeraktionen und Bilder von der Invasion. Hier half die enge Kooperation des Filmteams mit dem britischen Imperial War Museum, das unter anderem eine der weltweit größten Sammlungen von bewegten Bildern aus diversen Kriegen archiviert (Mehr davon beim Bonusmaterial mit der Doku Newsreel-Film von 1943 "Cameramen at War" )Um die Brüche zwischen altem und neuem Material nicht nur zu mininieren, sondern sogar zu beseitigen, trieb Kameramann John Alcott (Legendär durch Barry Lyndon) originale Vorkriegsobjektive (zwei komplette Sätze deutscher Götz- und Schneider-Objektive von 1936 und 1938) auf, die er auf die Kamera montierte.
Zudem hielt sich Alcott an einen Beleuchtungstil, der dem der Kriegsaufnahmen entsprach, was diese verblüffend nahtlosen Übergänge zwischen Archiv- und Spielfilmaufnahmen ermöglichte.
Das ambitonierte Hananuer Label "Bildsörung" hat diesen vergessenen Film in ihrer empfehlenswerten Reihe "Drop out" realisiert.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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